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Historischer Ort: Denkmal der Grauen Busse, Porträt 7
Opferbiografie
Eugen Bofinger
18841940

Eugen Bofinger
Ingenieur aus Konstanz (Baden-Württemberg)

geb. 1884 in Stuttgart (Baden-Württemberg)
gst. 12.06.1940 in Grafeneck (Baden-Württemberg)

Eugen Bofinger war ein Opfer der nationalsozialistischen „Euthanasie“, der sogenannten T4-Aktion. Diese wurde nach dem Sitz der zuständigen Entscheidungsbehörde in der Berliner Tiergartenstraße 4 benannt.

Biografie erstellt am 07.11.2017, letzte Aktualisierung: 24.01.2018
Für die Recherche benutzte Quellen
  • Adressbücher Konstanz 1939 und 1943 (Stadtarchiv)
  • Stadtarchiv Konstanz, Einwohnermeldekarteikarten vor 1945
  • Faulstich, Heinz, Von der Irrenfürsorge zur "Euthanasie", Freiburg i.Brsg. 1993
  • Material Faulstich: Recherchierte Patientenlisten mit Aufnahmedatum
  • Material Faulstich: Kopien der Originaltransportlisten der Aktion T 4
  • Opferliste der Gedenkstätte Grafeneck (Privatarchiv Didra)
  • Südkurier Konstanz 17.01.1983, "Jetzt werden Akten verglichen"
  • Südkurier Konstanz 02.02.1983, "Auch Urnen von KZ-Opfern dabei"
  • Staatsarchiv Freiburg, Findbuch 822/3 Heil- und Pflegeanstalt Konstanz-Reichenau, B 822/3, Nr. 6

Da keine Verwandten oder Nachfahren ermittelt werden konnten, lässt sich leider nur sehr wenig zu Herrn Bofingers Biografie sagen. Nur soviel: Er wurde 1884 in Stuttgart/Feuerbach geboren, war von Beruf Ingenieur und verheiratet mit Else Bofinger, geb. Sedelmayer. Seit 1914 lebte das Ehepaar in Konstanz, zuletzt am St. Gebhardplatz 30 im Erdgeschoss rechts, was ein noch lebender Zeitzeuge bestätigte.


Ab 1929 war Eugen Bofinger Patient in der Heil- und Pflegeanstalt Reichenau. Im Staatsarchiv Freiburg ist lediglich das „Fahrnisverzeichnis“ vorhanden, eine Liste der Habseligkeiten, die er bei seiner Einweisung bei sich hatte. Weitere Patientenakten sind nicht mehr auffindbar und somit auch keine Angaben über seine Erkrankung.
In der Einwohnermeldekarte der Stadt Konstanz findet sich als letzter Eintrag sein Todestag, der 30. Oktober 1940 in Sonnenstein/Sachsen. Diese Angaben sind falsch. Wie bei den meisten Opfern der NS-„Euthanasie“ wurden Todesursache, Todestag und -ort ganz bewusst gefälscht, um Nachforschungen von Angehörigen zu erschweren oder sogar unmöglich zu machen. Um den Namen Grafeneck nicht zu oft auftauchen zu lassen, wurde etwa die Hälfte der in Grafeneck anfallenden Akten an die Standesämter der anderen Tötungsanstalten verschickt. Von dort aus wurden die Angehörigen über den Sterbefall informiert.


Als Todesursachen wurden Magenblutungen, Lungenentzündungen etc. genannt.


Tatsache ist: Aus den Original-Transportlisten, die noch vorhanden sind, geht hervor, dass Eugen Bofinger am 7. Mai 1940 mit dem ersten von insgesamt elf Transporten von der Reichenau im Rahmen der „T4-Aktion“ deportiert wurde. Zuerst nach Zwiefalten und fünf Wochen später, am 12. Juni 1940, in die Tötungsanstalt Grafeneck, wo er noch am selben Tag, im Alter von 56 Jahren, vergast und eingeäschert wurde.


Dieses Datum wurde von der heutigen Gedenkstätte Grafeneck bestätigt.

Recherche: Roland Didra

Gedenken

Historische Orte: Stolperstein für Eugen Bofinger, Foto Stolperstein
Der Stolperstein für Eugen Bofinger liegt am Sankt-Gebhard-Platz 30, 78467 Konstanz. Er wurde am 4. Oktober 2007 verlegt.
Assoziationen

Assoziationen
As­so­zi­a­tive Beziehungen und Verknüpfungen

Alle Opfer der NS-"Euthanasie"-Verbrechen haben ihre Individualität. Manche wurden jedoch aus ähnlichen Motiven verfolgt, einige teilten zum Beispiel Gewaltererfahrungen in ihren zwischenmenschlichen Beziehungen. Andere wiederum wurden doppelt sigmatisiert: Weil sie als psychisch krank und behindert galten und als homosexuell und jüdisch definiert wurden.
Diesen Verknüpfungen versuchen wir mit "Assoziationen" nachzugehen. Sie ermöglichen es auch, geographische Beziehungen in unserer Datenbank zu recherchieren. Sie können also erforschen, wer am selben Ort oder Region lebte, wer in der selben Anstalt lebte und ermordet wurde.

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