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Opferbiografie: Alma Franke, Porträtfoto
Opferbiografie
Alma Franke
18881940

Alma Franke
aus Neustrelitz (Mecklenburg-Vorpommern)

geb. 10.03.1888 in Menz (Stechlin) (Brandenburg)
gst. 20.09.1940 in Brandenburg/Havel (Brandenburg)

Von Reinhard Simon

Alma Franke wurde am 10. März 1888 als erstes Kind von Auguste Mathilde Christiane Franke, geb. Markau und August Hermann Friedrich Franke in Menz bei Rheinsberg/Mark geboren. Ihre Eltern heirateten zwei Jahre vorher 1886. 

Biografie erstellt am 30.01.2018, letzte Aktualisierung: 22.03.2018

Bis zum Ausbruch ihrer Geisteskrankheit im Jahre 1928 ist aus den Krankenakten, die im Bundesarchiv Berlin erhalten sind, nicht viel zu entnehmen, außer vielleicht, dass sie bis dahin wohl im elterlichen Haus gelebt hat und unverheiratet war. Ihre Geisteskrankheit begann im Jahre 1928, worauf sie in die Heil- und Pflegeanstalt Neuruppin eingewiesen wurde. Dort war sie vom 12.11.1928 bis 11.04.1929. Am 11.04.1929 wurde sie „entgegen dem ärztlichen Rat“ ungeheilt zu ihrer Schwester Frieda nach Menz entlassen; vermutlich in der Hoffnung, dass Alma in ihrem Elternhaus eher gesund werden würde, als in der Heilanstalt Neuruppin.

Leider schlug wohl dieser Versuch „trotz Hilfe einer Extrapflegerin aus Berlin“ fehl, denn schon am 19.04.1929 brachte ein Onkel Alma in die Heil- und Pflegeanstalt Domjüch bei Neustrelitz. Vermutlich war der Schwester der gute Ruf dieser Anstalt zu Ohren gekommen, denn nach Neuruppin wollte sie Alma nicht mehr zurück bringen.

Foto von Alma Frank aus der Patientenakte, 1930er-Jahre.

Alma blieb dann von diesem Zeitpunkt an mit der Diagnose „Schizophrenie“ und „Katatonie“(schwere geistige Behinderung mit zunehmenden Bewegungsstörungen) bis zum 21.09.1939 in der Heil- und Pflegeanstalt Domjüch.

Am 21.09.39 wurde sie von 2 Pflegerinnen auf der Domjüch abgeholt und zum 2. Male in die Heil- und Pflegeanstalt nach Neuruppin gebracht. Danach sind in der Krankenakte nur noch ein Untersuchungsbericht vom Tage ihrer Einlieferung und eine Anzeige des Direktors der Heilanstalt Neuruppin an den Amtsarzt auf Grund des Gesetzes zur Verhütung erbkranken Nachwuchses (die hier vorgesehene Sterilisation wurde aber auf Grund ihres Alters abgelehnt) enthalten. Mit Datum 14.11.1939 endet die (offizielle) Krankengeschichte von Alma in Neuruppin. Was danach geschehen ist, kann nach Hinweisen aus der Gedenkstätte Brandenburg/Havel rekonstruiert werden.

Im Brandenburgischen Landesarchiv Potsdam existiert eine Transportliste, auf denen Patienten der Heil- und Pflegeanstalt Neuruppin verzeichnet sind, die am 20.09.40 von Neuruppin in die Landesheilanstalt Brandenburg „verlegt“ und dort vermutlich am gleichen Tag umgebracht wurden. Auf dieser Liste ist auch der Name Alma Franke zu finden. Ein letzter Hinweis auf den Tod Almas
findet man im Kirchenbuch des Jahres 1940, welches sich im Pfarramt in Menz befindet. Als offizieller Todestag wird hier der 04.10.1940 aufgeführt und als Todesursache „Lungenentzündung, ge-storben in der Anstalt Brandenburg“ genannt. 

In der Urne, die der Schwester geschickt und die am 29.10.40 auf dem Friedhof in Menz bestattet wurde, war mit Sicherheit nicht die Asche von Alma enthalten, sondern vermutlich die anderer in Brandenburg getöteter Patienten. 

Assoziationen

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