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Opferbiografien | Sofie Emilie Walburga Bauer (geb. Weigert), 1898 – 1941, Profilfoto sofie_bauer-1.jpg
Opferbiografie
Sofie Emilie Walburga Bauer
18981941

Sofie Emilie Walburga Bauer (geb. Weigert)
Näherin aus Regensburg

geb. 11.09.1898 in Regensburg
gst. 02.05.1941 in Hartheim (Oberösterreich)

Sofie wurde als älteste von fünf Töchtern des Bahnarbeiters Xaver Weigert und seiner Ehefrau Walburga, geb. Preu, in Stadtamhof (Regensburg) geboren. Sie erlernte den Beruf der Näherin. Als junge Frau verliebte sie sich in den Bahnschlosser Johann Bauer. Nur Weniges ist über Sofie Weigerts Leben bekannt, und das Wenige stammt aus der Erinnerung von Nichten und Neffen, die sie selbst nie kennen gelernt haben. Diesen Aussagen zufolge war Johann Bauer, der auch als Tanzlehrer aktiv war, der Familie in denkbar schlechter Erinnerung geblieben.

Biografie erstellt am 16.10.2017, letzte Aktualisierung: 16.04.2018

Johann Bauer und Sofie Weigert heirateten am 8.Juli 1922 in Regensburg; ein Jahr später, am 29.7.1923, wurde die einzige Tochter Johanna geboren. Die Ehe war unglücklich: Johann Bauer kümmerte sich vermutlich nicht um die kleine Familie, brachte das Geld durch und hatte hinter Sofies Rücken eine Beziehung mit deren bester Freundin. Er behandelte seine Frau schlecht, gab ihr auch nie ausreichend Haushaltsgeld, so dass die junge Frau große Entbehrungen erleiden musste. Dazu kam der gewaltsame Tod ihrer jüngeren Schwester. All das war offenbar zu viel für Sofie Bauer. Im Jahr 1926 kam sie zunächst ins Krankenhaus Greflinger Straße (vermutlich nach einem Suizid-Versuch) und muss dort für längere Zeit stationär behandelt worden sein, denn das Krankenhaus wurde im Juli von der Reichsbahnbetriebskrankenkasse aufgefordert, Sofie Bauer sofort in die Heil- und Pflegeanstalt Regensburg zu überführen, da die Verpflegungskosten im Krankenhaus nur noch bis zum 20.7.1926 übernommen würden. Folglich wurde sie von dort aus am 20.7.1926 abends um zehn Uhr in der Regensburger Heil- und Pflegeanstalt Karthaus-Prüll aufgenommen.

Dort blieb sie fünfzehn Jahre lang - sie kehrte nie wieder nach Hause zurück. Während ihres Anstaltsaufenthaltes wurde ihr Mann mehrfach durch den Landesfürsorgeverband Oberpfalz aufgefordert, Unterhalt für seine Frau zu bezahlen, was er jedoch entgegen gegebener Zusagen nicht tat. Die Ehe wurde am 31. Januar 1931 rechtskräftig geschieden, Sofie wurde entmündigt. Wenige Monate nach der Scheidung heiratete Johann Bauer seine langjährige Geliebte und holte seine Tochter Johanna, die bis dahin bei seinen Eltern in Obhut gewesen war, quasi gewaltsam zu sich. Es ist überliefert, dass er bei der Gelegenheit mit einer Pistole auf seinen Vater schoss.

Sofie verbrachte die Jahre in Karthaus-Prüll zumeist in starrer Haltung im Bett und musste mit der Sonde ernährt werden, unterbrochen von kurzen Intervallen, in denen sie selbständig aß und sich auch an Haus- und Handarbeiten beteiligte. Laut Krankenakte (Bundesarchiv, Bestand R 179) beschäftigte sie sich im Dezember 1933 noch „sehr fleißig mit Stricken“ und nahm regelmäßig ihre Nahrung zu sich. Im April 1937 (der nächsten Eintragung in der Akte, dazwischen dreieinhalb Jahre lang nichts) wurde sie schon als „psychisch weitgehendst abgebaute“ Patientin bezeichnet. Die letzte Eintragung in der Krankenakte berichtet, Sofie Bauer sei am 2.5.1941 „ungeheilt entlassen“ worden. In Wirklichkeit ist sie an diesem Tag mit einem Sammeltransport in die Gasmordanstalt Schloss Hartheim bei Linz gebracht und vermutlich noch am selben Tag vergast worden. Ihre Familie hat laut eigenem Bekunden nie erfahren, was mit Sofie wirklich geschehen ist. Offiziell starb sie am 15.5.1941 an „akuter Gehirnschwellung“.

Sophies Tochter Johanna hatte man verboten, nach ihrer Mutter zu fragen - sie hat erst 2010 im Alter von 87 Jahren erfahren, welches Schicksal ihre Mutter erleiden musste.

Diese Biografie wurde erstellt von Andreas Meike, Enkel von Sophie Bauer.

Assoziationen

Assoziationen
As­so­zi­a­tive Beziehungen und Verknüpfungen

Alle Opfer der NS-"Euthanasie"-Verbrechen haben ihre Individualität. Manche wurden jedoch aus ähnlichen Motiven verfolgt, einige teilten zum Beispiel Gewaltererfahrungen in ihren zwischenmenschlichen Beziehungen. Andere wiederum wurden doppelt sigmatisiert: Weil sie als psychisch krank und behindert galten und als homosexuell und jüdisch definiert wurden.
Diesen Verknüpfungen versuchen wir mit "Assoziationen" nachzugehen. Sie ermöglichen es auch, geographische Beziehungen in unserer Datenbank zu recherchieren. Sie können also erforschen, wer am selben Ort oder Region lebte, wer in der selben Anstalt lebte und ermordet wurde.

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Tätigkeiten
Literaturverweise

Ausgewählte Literatur zum Thema

Die Heil- und Pflegeanstalt Karthaus-Prüll/Regensburg
1999, München

in: Michael von Cranach und Hans-Ludwig Siemen (Hsg.), Psychiatrie im Nationalsozialismus. Die bayerischen Heil- und Pflegeanstalten zwischen 1933 und 1945, München 1999, S. 175-231_

AutorClemens Cording
ISBN3-486-56371-8
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