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Historischer Ort: Denkmal der Grauen Busse, Porträt 9
Opferbiografie
Marie Beuster
18781943

Marie Beuster (geb. Kersten)
Zuschneiderin aus Berlin (evangelisch)

geb. 18.02.1878 in Berlin
gst. 13.04.1943 in Meseritz (Międzyrzecz) (Województwo Lubuskie)

Marie Kersten wurde am 18. Februar 1878 in Berlin geboren und evangelisch getauft. Sie besuchte die Volksschule und erlernte den Beruf einer Zuschneiderin. 1901 heiratete sie und bekam 1904 einen Sohn.

Biografie erstellt am 07.11.2017, letzte Aktualisierung: 24.01.2018

Nach Beschreibung des Ehemannes sei die Ehe glücklich gewesen.
Am 18. Mai 1907 wurde Marie Beuster, 29-jährig, in die Wittenauer Heilstätten (heute Karl-Bonhoeffer-Nervenklinik) überwiesen und in Haus 8 aufgenommen. Die Diagnose des Arztes in der Aufnahme lautete: „Schizophrenie“. Aus den Unterlagen geht hervor, dass sie nach einem Aufenthalt von 278 Tagen „mit gebessertem Zustand“ entlassen wurde.


Erst mehr als 30 Jahre später, am 11. November 1939, wurde Frau Beuster zum zweiten Mal in die Heilstätten eingewiesen. Im Aufnahmebericht heißt es: „Wurde zwei Tage vor der Einweisung auffällig. Sprach sehr viel.“ Der Ehemann berichtete, dass sich von der ersten Erkrankung 1907 in den späteren Jahren nichts mehr gezeigt habe. Seit Jahren habe seine Frau aber viele Aufregungen durchzumachen gehabt. Sie sei auch etwas vergesslicher geworden. In den letzten Monaten habe sie die Enkelkinder betreuen müssen; darüber sei es wohl zu Streitigkeiten mit dem Sohn gekommen.


Im August 1940 wurde Marie Beuster auf Wunsch der Angehörigen vorübergehend nach Hause entlassen, im November desselben Jahres jedoch erneut eingewiesen, da die Pflege durch den Ehemann nicht mehr gewährleistet werden konnte. In Wittenau wurde sie zunächst mit Hausarbeiten, später mit dem Zupfen von Lumpen beschäftigt. Das Krankheitsbild von Marie Beuster wurde am 15. Januar 1943 wie folgt beschrieben: „Verschlechtert sich mehr und mehr, leistet kaum noch Arbeit. Vorgeschlagen zur Verlegung in die Provinz.“


Am 29. Januar 1943 wurde Marie Beuster in die Heil- und Pflegeanstalt Obrawalde bei Meseritz (rund 150 Kilometer östlich von Berlin, heute in Polen gelegen) deportiert. Die Anstalt Obrawalde war unter den Nationalsozialisten eine Tötungsanstalt, in der mehrere Tausend psychisch kranke Menschen ermordet wurden.


Der letzte Eintrag in Marie Beusters Krankenakte vom 13. April 1943 lautete: „Exitus letalis, Altersschwäche.“ Tatsächlich lassen die Umstände ihres Todes darauf schließen, dass die nicht mehr arbeitsfähige, alte und kranke Frau kurz nach ihrer Ankunft in Obrawalde mit einer Überdosis Medikamenten vergiftet wurde.

Die Biografie wurde von Steffi Krause und Tobias Neubert erarbeitet.

Gedenken

Am 5. Mai 2003 wurde ein Stolperstein für Marie Beustert am Haßlinger Weg 9 in Berlin-Reinickendorf verlegt.

Stolperstein für Marie Beuster, verlegt am 5. Mai 2003.
Assoziationen

Assoziationen
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Diesen Verknüpfungen versuchen wir mit "Assoziationen" nachzugehen. Sie ermöglichen es auch, geographische Beziehungen in unserer Datenbank zu recherchieren. Sie können also erforschen, wer am selben Ort oder Region lebte, wer in der selben Anstalt lebte und ermordet wurde.

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