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Opferbiobgraphie: Anton Hoelzle, Porträtfoto
Opferbiografie
Anton Hölzle
19001940

Anton Hölzle
Ofenarbeiter, Tagelöhner aus Konstanz (Baden-Württemberg) (katholisch)

geb. 22.12.1900 in Konstanz (Baden-Württemberg)
gst. 24.07.1940 in Grafeneck (Baden-Württemberg)

Anton Hölzle wurde am 22.12.1900 in Konstanz geboren. Er wurde katholisch getauft. Sein Vater war Lukas Hölzle, seine Mutter Rosina starb bereits 1910, wodurch der 10-jährige Anton und weitere 5 Geschwister zu Halbwaisen wurden.

Leider lässt sich sein Leben nur sehr bruchstückhaft erzählen, da keine Nachkommen zu finden sind. 

Biografie erstellt am 13.12.2017, letzte Aktualisierung: 25.01.2018

Seine Kindheit und Jugend verbrachte er bis 1917 in der Klostergasse 3.  Am 13.10.1917 bezog die Familie ein kleines Häuschen in Petershausen, Ergatshausen 5, heute Wollmatinger Strasse 64. Anton arbeitete als Tagelöhner und Ofenarbeiter, wurde gemustert und als wehrfähig befunden. Möglicherweise diente er noch als Soldat zum Ende des 1. Weltkriegs.

Fast 2 Jahrzehnte lang galt er in den Akten als verfügbar, obwohl er längst seelisch erkrankt war. Erhalten geblieben ist noch sein Ausmusterungsschein aus der deutschen Wehrmacht, ausgestellt vom Wehrbezirkskommando Konstanz am 19. Juli 1940, genau fünf Tage vor seiner Ermordung.

Opferbiografie: Anton Hölzle,  Ausmusterungsschein
Ausmusterungsschein von Anton Hölzle, ausgestellt fünf Tage vor seiner Ermordung.

Rückblende:

Im Alter von 19 Jahren war er vom 31.3. bis zum 6.12.1920 im sogenannten Arbeitshaus Kislau untergebracht. Kislau, in der Nähe von Bruchsal, war seit 1819 eine Strafanstalt, dann Arbeitshaus für Männer, später Konzentrationslager und ist heute wieder ein Gefängnis. Weshalb Anton Hölzle in Kislau war, lässt sich nicht mehr rekonstruieren. Fakt ist: zwei Wochen nach seiner Entlassung aus Kislau wurde er am 13.12.20 in die Heil- und Pflegeanstalt Reichenau eingewiesen. Grund und Diagnose sind unbekannt, da es keine Krankenakte mehr gibt. Genau 3 Jahre verblieb er in der Anstalt. Wie sein Leben in den folgenden 15 Monaten verlief, bleibt im Dunkeln.

Im März 1925 wurde er erneut eingewiesen und verblieb dort für weitere 3 Jahre und 6 Wochen. Ein letztes Mal in Freiheit war Anton Hölzle vom 07.5.1928 bis zum 11.10.1928, also 5 Monate lang. Danach war er durchgängig fast 12 Jahre in der Anstalt untergebracht.

1939, zu Beginn der sogenannten T-4 Aktion der Nazis, erhielten die Heil- u. Pflegeanstalten Meldebögen, in denen sie Patienten nennen mussten, die sich seit 5 Jahren dauernd in Anstalten befanden, an Schizophrenie litten, etc. Das war das Todesurteil für Anton Hölzle.

Als Datum seiner letzten "Entlassung" findet man den 24.7.1940, genau der Tag, an dem er umgebracht wurde.

An diesem Tag wurde Anton Hölzle zusammen mit weiteren 74 Männern nach Grafeneck deportiert, vergast und die Leichen sofort verbrannt. 

Seine Urne wurde, wie die vieler weiterer Euthanasieopfer, Jahrzehnte später im Friedhofsgebäude Konstanz entdeckt. Die eingestanzten Daten, Todestag und Todesort (07.8.40 Hartheim), sind frei erfunden. Sie wurden bewusst gefälscht, um eventuelle Nachforschungen zu erschweren. Ermittlungen der Kripo Konstanz im Jahr 1983 wurden eingestellt, da keine Angehörigen mehr gefunden wurden.

Die Urne Anton Hölzles wurde, zusammen mit denen anderer Euthanasieopfer, auf dem Friedhof Konstanz beigesetzt, der Ort als Gedenkstätte gestaltet. Hölzles Name ist dort auf einem der Gedenksteine zu finden.

 

Recherche:

Roland Didra

Gedenkstein für Anton Hölzle als Teil der Gedenkstätte für die Opfer der NS-"Euthanasie"-Verbrechen in Reichenau.

Quellen

Staatsarchiv Freiburg, Findbuch 822/3 Heil- und Pflegeanstalt Konstanz-Reichenau, B 822/3, Nr. 11
  • Stadtarchiv Konstanz, Einwohnermeldekarten vor 1945
  • Opferliste Grafeneck (Privatarchiv Didra)
  • Assoziationen

    Assoziationen
    As­so­zi­a­tive Beziehungen und Verknüpfungen

    Alle Opfer der NS-"Euthanasie"-Verbrechen haben ihre Individualität. Manche wurden jedoch aus ähnlichen Motiven verfolgt, einige teilten zum Beispiel Gewaltererfahrungen in ihren zwischenmenschlichen Beziehungen. Andere wiederum wurden doppelt sigmatisiert: Weil sie als psychisch krank und behindert galten und als homosexuell und jüdisch definiert wurden.
    Diesen Verknüpfungen versuchen wir mit "Assoziationen" nachzugehen. Sie ermöglichen es auch, geographische Beziehungen in unserer Datenbank zu recherchieren. Sie können also erforschen, wer am selben Ort oder Region lebte, wer in der selben Anstalt lebte und ermordet wurde.

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    Eine Seite des Gedenkbuches in der Gedenkstätte Grafeneck

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