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Opferbiographie: Benjamin Traub
Opferbiografie
Benjamin Traub
19141941

Benjamin Traub
aus Mülheim a.d. Ruhr (Nordrhein-Westfalen) (baptistisch)

geb. 25.11.1914 in Mülheim a.d. Ruhr (Nordrhein-Westfalen)
gst. 13.03.1941 in Hadamar (Hessen)

Benjamin Traub war das vierte Kind der Eheleute Karl Friedrich und Karoline (Lina) Traub und der jüngste Bruder des Mülheimer Künstlers Daniel Traub.

Biografie erstellt am 23.01.2018, letzte Aktualisierung: 17.04.2018

Er wurde am 25. November 1914 in Mülheim an der Ruhr geboren. Von 1914 bis 1919 lebte die Familie kriegsbedingt erst in Bremerhaven, anschließend in Köln. 1923 zogen sie zurück nach Mülheim und wohnten bis 1938 in der zweiten Etage des Hauses Auerstraße 59. In Mülheim war Karl Friedrich Traub Prediger der Baptistischen Gemeinde.

Benjamin wurde in Köln eingeschult, besuchte 1923/24 vermutlich die Schule an der Auerstraße und war von 1925 bis 1931 Schüler der Oberrealschule (heute: Karl-Ziegler-Schule).

Benjamin Traub, ca. 1927/1928.

Er galt als sehr begabt, spielte Klavier und war ein leidenschaftlicher Schachspieler. Seine Begabung ermöglichte es ihm, eine Schulklasse zu überspringen.

Kurz nach seinem fünfzehnten Geburtstag bekam er Krampfanfälle, die auf Jugendschizophrenie hindeuteten. Im August 1931 brachte man ihn in die Heil- und Pflegeanstalt nach Bedburg-Hau, wo er neun Jahre lang behandelt wurde. Zwischendurch kam er zu Besuch nach Hause oder erhielt Besuch von seiner Familie. Nach Kriegsbeginn – Bedburg wurde als Lazarett benötigt – verlegte man ihn im März 1940 in die „Zwischenanstalt“ Weilmünster in Hessen. Auch hier besuchten ihn seine Angehörigen.

Am 13. März 1941 holten die berüchtigten grauen Busse der inzwischen zur Tötungsanstalt umgebauten Heil- und Pflegeanstalt Hadamar ihn und weitere 64 Patienten ab. Sofort nach der Ankunft führte man sie einem Arzt vor, der eine „natürliche Todesursache“ für den Totenschein bestimmte. Dann wurden Benjamin und die anderen Patienten in der Gaskammer im Keller der Anstalt durch Kohlenmonoxyd umgebracht. Die Leichname verbrannte man in den Krematoriumsöfen der Anstalt. Anfang April 1941 erhielten die Eltern die Nachricht, dass ihr Sohn „plötzlich und unerwartet an einer Grippe mit nachfolgender Hirnhautentzündung“ verstorben sei. Kurz darauf stellte man der Familie eine Urne zu, die angeblich Benjamins Asche enthielt. In einer kleinen Trauerfeier wurde sie auf dem Dümptener Friedhof beigesetzt.

Autor: Dr. Hartmut Traub

In der Gedenkstunde des Bundestags für die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar 2017 erinnert Hartmut Traub an seinen Onkel Benjamin Traub, ein Opfer der NS-"Euthanasie".

Assoziationen

Assoziationen
As­so­zi­a­tive Beziehungen und Verknüpfungen

Alle Opfer der NS-"Euthanasie"-Verbrechen haben ihre Individualität. Manche wurden jedoch aus ähnlichen Motiven verfolgt, einige teilten zum Beispiel Gewaltererfahrungen in ihren zwischenmenschlichen Beziehungen. Andere wiederum wurden doppelt sigmatisiert: Weil sie als psychisch krank und behindert galten und als homosexuell und jüdisch definiert wurden.
Diesen Verknüpfungen versuchen wir mit "Assoziationen" nachzugehen. Sie ermöglichen es auch, geographische Beziehungen in unserer Datenbank zu recherchieren. Sie können also erforschen, wer am selben Ort oder Region lebte, wer in der selben Anstalt lebte und ermordet wurde.

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Literaturverweise

Ausgewählte Literatur zum Thema

Ein Stolperstein für Benjamin
2013

Den namenlosen Opfern der NS-Euthanasie

AutorDr. Hartmut Traub
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