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Heilanstalt Winnental (Klinikum Schloss Winnenden)
Heil- und Pflegeanstalt in Winnenden

Die Anstalt wurde 1834 als "Königliche Heilanstalt Winnenthal" gegründet. Sehr früh schon rückte man hier von einer reinen Verwahrung psychisch kranker Menschen ab und versuchte sich an der Besserung von Krankheitszuständen. Dabei kam Winnenden eine Arbeitsteilung in Württemberg zu Gute: Die Anstalt in Zwiefalten übernahm die "unheilbaren" Fälle, während Winnenden die heilbaren Patienten betreute. Diese Aufteilung wurde um 1900 beendet und es erfolgte eine Erweiterung auf über 600 Betten. Auch in Winnenden gab es eine stark erhöhte Sterblichkeit im Ersten Weltkrieg; große Aufmerksamkeit erregte der Fall des Massenmörders Ernst Wagner, der von 1913 bis 1938 in der Anstalt verwahrt war. Wagner verstand sich als erster Nationalsozialist Winnendens und forderte die Beseitung psychisch kranker Menschen, zu denen er selbst sich nicht zählte. 

Heil- und Pflegeanstalt

AdresseSchloßstraße 50
71364 WinnendenRoutenplaner
LinksAbriss der Geschichte des Klinikums
KontaktTel 07195 900-0
Fax 07195 900-10000
E-Mail schreiben

Die Anstalt im Nationalsozialismus

Um alle Patienten zu erfassen und zu bewerten, wurde Winnenden 1939 zur Landeszentrale für erbbiologische Bestandsaufnahme 1 ernannt. Merkmale wie Religion, "Rasse", Krankheit und Arbeitsfähigkeit wurden den Gesundheitsämtern gemeldet. Sechs jüdische Patienten wurden aus Winnenden entfernt und nach Zwiefalten gebracht, bevor sie in Grafeneck ermordet wurden. 

Die Zahl der Patienten der Anstalt Winnenden, die der Zwangssterilisation unterworfen wurden, ist nicht bekannt. Die Operationen wurden im Kreiskrankenhaus Waiblingen durchgeführt. 

Aktion T4

Die erste Deportation von 74 Patientinnen der Anstalt wurde am 30. Mai 1940 durchgeführt. Die Frauen wurden noch am selben Tag in Grafeneck ermordet. Am 11. Juni 1940 erfolgte ein weiterer Transport. Viele der aus Winnenden deportierten Menschen waren aus anderen Einrichtungen Württembergs dorthin gebracht worden: dem Bürgerhospital Stuttgart, dem Christophsbad Göppingen, der Uniklinik Tübingen sowie aus den Anstalten Rottenmünster, Stetten und Göppingen. 

Insgesamt wurden 397 Patienten aus Winnenden nach Grafeneck gebracht und dort ermordet. Darüber hinaus wurden  ab März 1941 weitere 250 Männer und Frauen über die badische Zwischenanstalt Wiesloch und die württembergische Einrichtung Weinsberg nach Hadamar transportiert. Winnenden stellte bei allen Transporten die Leitung und Busse bereit. 

Gedenken

Winnenden war ab dem 24. September 2015 Standort des Denkmals der grauen Busse. Bis zum August 2017 stand es Vor dem Gebäude der Ärztlichen Direktion im Klinikum Schloß Winnenden, bevor es nach Frankfurt/Main weiter zog. Mehr Informationen finden sich auf der Website des Denkmals der grauen Busse. 

  1. im folgenden nach: Martin Eitel Müller, Euthanasie und Sterilisation in Winnental, online unter http://www.zfp-winnenden.de/unser-zentrum/geschichte/ueberblick/1930-1950/euthanasie/
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Literaturverweise

Ausgewählte Literatur zum Thema

Die Heilanstalt Winnenden im Nationalsozialismus
1999, Winnenden

und die "Euthanasie"-Aktion T4 in den Jahren 1940/41. Aufsatz in: Winnenden – Gestern und Heute. Veröffentlichungen des Stadtarchivs Bd. 7, Winnenden 1999, S. 119-170.

AutorThomas Stöckle
ISBN978-3897351110
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