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Landes-Heil- und Pflegeanstalt Weilmünster (Vitos Weilmünster)
Heil- und Pflegeanstalt in Weilmünster

Die Heil- und Pflegeanstalt Wielmünster war eine Gründung der Stadt Frankfurt/Main und des Bezirksverbandes Wiesbaden.  Hintergrund war die Suche nach Betreuungsplätzen für psychisch kranke Frankfurter. Nach der Eröffnung am 25. Oktober 1897 bot sie 1000 Patienten Platz. In den ersten Jahrzehnten fanden vor allem Arme Platz in Weilmünster. Im Ersten Weltkrieg starben viele Patienten an Unterernährung. In den 1920ern wurde die Anstalt  zu inem Kindersanatorium. Diese Funktion behielt sie auch nach dem Zweiten Weltkrieg, bis sie seit 1963 wieder als psychiatrisches Krankenhaus genutzt wurde.

Heil- und PflegeanstaltDenkmal, Zwischenanstalt

AdresseWeilstraße 10
35789 WeilmünsterRoutenplaner
LinksWebseite des Krankenhauses mit Angaben zur Geschichte
ÖffnungszeitDie Ausstellung ist nach Vereinbarung geöffnet
AngebotAusstellung

Weilmünster im Nationalsozialismus

1933 richtete der Bezirksverband Nassau wieder eine Heil- und Pflegeanstalt in Weilmünster ein. Die Patienten kamen aus den Anstalten Eichberg, Hadamar und Herborn. Mitte und Ende der 1930er Jahre wurden einige Ärzte neu eingestellt - der prominenteste unter ihnen war Dr. Adolf Wahlmann, der ab 1942 in Hadamar mehrere Tausend Menschen mit Medikamenten töten ließ. Die Patientenzahen stiegen rapide an auf 1500 im Jahr 1938. Damit einher ging eine Sparpolitik, durch die das Raumangebot und die Verpflegungssätze heruntergesetzt wurden. Mindestens 278 Patienten wurden Opfer von Zwangssterilisationen. Die Operationen wurden in Wetzlar, Weilburg und in Herborn durchgeführt. 1940 starben überdurchschnittlich viele jüdische Patienten in Weilmünster. 89 wurden am 7. Februar 1941 nach Hadamar deportiert und dort ermordet. 

Im Sommer 1940 gingen 1.500 Meldebögen zur Erfassung der Patienten in Weilmünster ein. Zur Bearbeitung wurde ein pesnionieter Arzt und eine Stenotypistin zusätzlich eingestellt. Weilmünster war auch eine Zwischenanstalt für die T4-Tötungsanstalt Hadamar. Hier wurden ab dem 19. Februar 1941 Patienten aus anderen Anstalten gesammelt, bevor sie in Hadamar ermordet wurden. Die ersten Deportationen begannen im Januar 1941 - bis März wurden mehr als 750 Patienten abtransportiert. Von den 1800 Menschen, 1941 nach Weilmünster gebracht wurden, wuden nur fünf entlassen. Bis auf sieben weitere, die in Weilmünster verblieben, wurden alle anderen in Hadmar ermordet. Insgesamt wurden 2.595 Patienten aus Weilmünster nach Hadamar  verschleppt. 

Nach dem Ende des Betriebes der T4-Tötungsanstalten Ende August 1941 wurden weiter Patienten aus anderen Einrichtungen nach Weilmünster gebracht. So kamen nach einer Nachtfahrt am 24. September 1941 mehr als 300 Patienten der geräumten Anstalt Strecknitz an. Ein Schlaglicht auf die katastrophalen Bedingungen in Weilmünster wirft das Schicksal der aus Rothenburg in der Provinz Hannover nach Weilmünster gebrachten Patienten. 140 Personen waren Ende Juli verlegt worden, von diesen lebten 1944 nur noch acht. Es gibt auch Hinweise darauf, dass neben dem Entzug von Nahrungsmitteln auch mittels Medikamente getötet wurde. Insbesondere im Haus F III sind Angaben von überlebenden Patienten zufolge Spritzen verabreicht worden, die zum Tod der Patienten führten. Insbesondere in der Zeit, in der Hadamar geschlossen war (Herbst 1941-Sommer 1942) kann davon ausgangen werden, dass in Weilmünster systematisch gemordet wurde 1.  Gehirne von Patienten wurden an die Forschungsabteilung von Professor Carl Schneider in Heidelberg geschickt - mindestens 15 im Jahr 1942. 

Von 1940 bis 1945 starben mehr als 3000 Patienten in Weilmünster.

Am 26. September 1943 verlas der katholische Anstaltsgeistliche Walter Adlhoch einen Hirtenbrief, in dem die Patientenmorde verurteilt wurden. Im Auditorium sassen Pateinten wie auch Pflegepersonal und Ärzte. Die Anstaltskapelle wurde daraufhin geschlossen, sie diente als Erweiterung der Leichenhalle. 

Ab dem 20. September 1944 wurden sieben der zehn Patientengebäude für ein Lazarett der Waffen-SS benutzt. 

Juristische Aufarbeitung und Gedenken

Bereits 1945 führte die Staatsanwaltschaft Frankfurt/Main ein Ermittlungsverfahren gegen den Direktor der Anstalt Weilmpnster Dr. Ernst Schneider. Tatvorwurf waren die Deportationen nach Hadamar und mögliche Morde in Weilmünster sebst. 1949 wurde vermerkt, diese Vorwürfe seie nicht belegbar; es erfolgte die Abgabe der Ermittlungen an die Staatsanwatschaft Limburg. Dr. Schneider wurde 1953 außer Verfolgung gesetzt. 

Seit 1991 erinnert in Weilmünster ein Denkmal an die Patientenmorde. Am Friedhof der Anstalt stehen Informationstafeln, die über die NS-"Euthanasie"-Verbrechen informieren. 1997 wurde eine Ausstellung installiert, die nach Voranmeldung besichtigt werden kann. 

 

  1. Ebda., S. 149f
Brief des Patienten Ernst P. 1943

Im September 1942 schrieb Ernst P. an seine Mutter. Er schilderte die Zustände in der Anstalt, weshalb der Brief abgefangen wurde.

"Wir wurden nicht wegen der Flieger verlegt sonder ndamit man uns in dieser wenig bevölkerten Gegend unauffällig verhungern lassen kann. [...] Die Menschen magern hier zum Skelett ab und sterben wie die Fliegen. Wöchentlich sterben rund 30 Personen. Man beerdigt die hautüberzogengen Knochen ohne Sarg. [...] Die Menschen werden zu Tieren und essen alles, was man eben von anderen kriegen kann [...] Früher ließ man in dieser Gegend die Leute schneller töten und in der Morgendämmerung zur Verbrennung fahren. Als man bei der Bevölkerung auf Widerstand traf, da ließ man uns einfach verhungern." 1

  1. LWV Archiv, Best. 12/K2274, Schreiben vom 3.9.1942. Zitiert nach Peter Sander, Die Landesheilanstalt Weilmünster im Nationalsozialismus, in: Christina Vanja (Hg.), 100 Jahre Krankenhaus Weilmünster, Kassel 1997, S. 121-165, hier S. 144. 
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