Albert Ditzenbach
aus Hochhausen
geb.
in
Hochhausen
gest.
in
Grafeneck
aus Hochhausen
geb.
in
Hochhausen
gest.
in
Grafeneck
In der Außendarstellung des St. Josefshauses in Herten, ist u.a. folgender Text zu lesen:
"Zwischen Juli und Dezember 1940 wurden in fünf Transporten 345 Männer, Frauen und Kinder aus dem St. Josefshaus in die Tötungsanstalt Schloss Grafeneck deportiert und dort ermordet. Morde durch Hunger und/oder Medikamente in der Anstalt sind nicht bekannt."
Albert Ditzenbach wurde am 22.12.1924 in Hochhausen, jetzt Tauberbischofsheim - Hochhausen, geboren. Dort lebte er in der Familie. Am 19.09.1932 erfolgte seine Einweisung in die St. Josefs-Anstalt in Herten (heute: St. Josefshaus, Hauptstr. 1, 79618 Rheinfelden [Quellen: Bundesarchiv Nr. 24854 und "Hauptbuch über Personalien" des St. Josefshaus es Herten]).
Er wurde am 10.06.1940 von Herten an die Heil- und Pflegeanstalt Wiesloch überbracht und ist dort aufgenommen worden [Quelle: Bundesarchiv Nr. 24854].
Albert Ditzenbach wurde von Herten über Wiesloch (Zwischenanstalt) am 10.06.1940 nach Grafeneck gebracht und dort am selben Tag getötet [Quelle: E-Mail vom 20.06.2011 der Gedenkstätte Grafeneck - Dokumentationszentrum].
Nachweislich ist mein Onkel, Albert Ditzenbach, geboren am 22.12.1924, ermordet am 10.06.1940, eben bereits im Juni 1940 deportiert worden. Die Anzahl und die Namenstafel an der St. Josefskirche sind somit nicht vollständig. Es ist mir nicht bekannt, ob vor Juli 1940 noch weitere Personen aus dem St. Josefshaus deportiert worden sind.
Nachdem der "Euthanasie-Erlass T4" ergangen war, haben die eine oder andere Pflegeanstalt geprüft, welche(r) Patientin/Patient den "Vorgaben" am ehesten entspricht und hierfür von m.E. zweifelhaften Ärzten begutachten lassen. Albert Ditzenbach war zu dieser Zeit vielleicht nicht gut zu behandeln. Dass er wegen seiner "Bösartigkeit und Zerstörungssucht" (Auszug aus dem ärztlichen Zeugnis) in die Heil- und Pflegeanstalt überführt werden sollte, ist nicht glaubwürdig. Dies würde jeder Einrichtung widersprechen, die entsprechende Patienten aufgenommen und seit Jahren (Albert war in der St. Josefs-Anstalt Herten seit 19.09.1932 untergebracht) behandelt hat.
Hier wurde zumindest in Kauf genommen, dass Patienten dem Euthanasie-Programm T4 zugeführt wurden. Albert Ditzenbach war einer von zwei jüngeren Brüdern meines Vaters, sie hatten noch eine ältere Schwester. In unserer Familie wurde nie über Albert gesprochen, über seine Existenz wusste ich bis 2011 nichts. Schließlich habe ich doch über seine Existenz erfahren und recherchiert. Mein Großvater verstarb 1943 an einem Herzinfarkt im Alter von 56 Jahren. Überliefert ist, dass er die Nationalsozialisten hasste und mein Vater ähnlich gestimmt war. Mein Vater wiederum "entkam" der Verfolgung durch Einberufung in den Reichsarbeitsdienst und späterer Einberufung zur Wehrmacht.
Auf Albert angesprochen bestätigte mein Vater (gest. 2014) meine Recherchen. Er war spürbar "mitgenommen", begründete sein Schweigen mit der "Schande", einen geistig Behinderten in der Familie zu haben.Vermutlich für diese "Schande" könnte der T4- Erlass gewesen sein, "unnützes Leben auszulöschen".
Text: Franz Ditzenbach
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