Arthur Feiertag
Arbeiter aus Berlin-Schöneberg (katholisch)
geb.
in
Berlin-Schöneberg
gest.
in
Bernburg
Arbeiter aus Berlin-Schöneberg (katholisch)
geb.
in
Berlin-Schöneberg
gest.
in
Bernburg
Richard Arthur Feiertag wurde am 19. Februar 1898 als Sohn des katholischen Arbeiters Johannes Feiertag und dessen Ehefrau Pauline Kosel in Berlin-Schöneberg geboren. Er war das dritte von insgesamt zehn Kindern, drei davon sterben vor ihrem heiratsfähigen Alter, ein Bruder fiel zwanzigjährig in Verdun, ein weiterer verstarb mit einunddreißig Jahren in der Heil- u. Pflegeanstalt Landsberg/Warthe.1 Fußnote lesen
1929 war Arthur Feiertag Patient in den Wittenauer Heilstätten. Seit wann er sich hier befand, wo er vorher lebte, ob er verheiratet war oder an welcher Krankheit er litt, ist unbekannt, da sich seine Patientenakte nicht unter den 30.000 archivierten Akten im Bundesarchiv befindet.2 Fußnote lesen
Am 1. Februar 1929 wurde er im Alter von 31 Jahren in die damalige Landesanstalt Neuruppin verlegt. Dem dortigen Aufnahmebuch „Berliner Seelenliste“ kann man entnehmen, dass Arthur Feiertag zuvor als Arbeiter tätig war.3 Fußnote lesen
Elf Jahre ist Arthur Feiertag bereits in der Landesanstalt, als er 1940 im Rahmen der NS-Krankenmorde „Aktion T4“ erfasst und für einen Abtransport in eine Tötungsanstalt vorgesehen wurde. Wir wissen nicht, welche Angaben man auf seinem Meldebogen notierte. Da man sich durch die „Aktion T4“ der langjährigen Patienten, bei denen keine Heilung mehr in Aussicht stand und welche aufgrund der Schwere der Erkrankung keine Arbeit mehr verrichten konnten, zu entledigen suchte, kann man davon ausgehen, dass dies auch bei ihm der Fall war.
Arthur Feiertag wurde im Januar 1941 mit dem 19. Neuruppiner Transport in die Tötungsanstalt Bernburg an der Saale überführt. Sein Name erscheint als Nr. 14 von insgesamt fünfundsiebzig Neuruppiner Patienten auf der Transportliste.4 Fußnote lesen
Dieser geplante Sammeltransport nach Bernburg, welcher möglichen Angehörigen gegenüber wie üblich als harmlose „Verlegung“ in eine andere Anstalt getarnt war, war laut Unterlagen ursprünglich bereits für den 17. Dezember 1940 vorgesehen. Aus unterschiedlichen Gründen wurde er aber zweimal kurzfristig verschoben und erfolgte erst am 23. Januar 1941, also fünf Wochen später als geplant. Auch hatte sich die Anzahl der für den Transport vorgesehenen Männer inzwischen auf dreiundsiebzig reduziert, da der Patient Georg Hebel noch als „arbeitender Kranker“ in der Landesanstalt Neuruppin gebraucht wurde und der Patient Max Ulbrich, ehemals Postschaffner aus Berlin-Kreuzberg, wenige Tag zuvor mit sechsundvierzig Jahren verstorben war.
Am Morgen des 23. Januars 1941 kam es dann zu einer erneuten Planänderung: Da einer der drei für den Transport bestellten Busse aufgrund eines Defekts ausfiel, strich man kurz vor Abreise die letzten dreizehn der nun noch dreiundsiebzig gelisteten Männer mit dem Vermerk „stehen für einen späteren Transport zur Verfügung“.
Die verbleibenden sechzig Personen verbrachte man in zwei Bussen in die Tötungsanstalt Bernburg.
Dort angekommen, wurde im allerletzten Moment noch ein weiterer Mann aus der Gruppe „verschont“: Die Arbeitskraft des fünfzigjährigen Patienten Max Feistels wurde von dem begutachtenden Arzt noch so hoch eingeschätzt, dass der ehemalige Frontsoldat und Lagerist aus Berlin-Neukölln ebenfalls zurückgestellt und in eine Heilanstalt zurückgeschickt wurde.5 Fußnote lesen
Die übrigen neunundfünfzig Neuruppiner Patienten des Sammeltransports Nr. 19 starben gemeinsam noch am selben Tag in der Gaskammer in Bernburg.
Die meisten der Männer waren zwischen dreißig und fünfundvierzig Jahre alt, der jüngste war zwanzig, der älteste achtzig Jahre alt. Sie stammten etwa aus Berlin, Neuruppin, Hannover, Remscheid, Leipzig oder Königsberg. In einem früheren Leben waren sie unter anderem Zeichner, Zuschneider, Arbeiter, Fabrikantensöhne, Schiffsführer, Bürogehilfe, Kürschner, Schlosser, Gastwirt oder Artist. Einige hatten als Frontsoldaten im Ersten Weltkrieg gekämpft. Viele waren verheiratet, manche geschieden, einige Familienväter. Sie waren unter anderem aus den Heilanstalten Herzberge, Buch, Wittenau, Potsdam oder Fürstenwalde in die Landesanstalt nach Neuruppin verlegt worden.Was all die Männer vereinte, war ihre menschenverachtende Einstufung als „Ballastexistenzen“ und der gemeinsame Weg in den Tod.
Ihre Namen waren: Rudolf Barton, Wilhelm Becker, Erwin Behr, Friedrich Boness, Richard Bork, Otto Borkhardt, Walter Bormann, Richard Buch, Hermann Cölpin, Fritz Dietrich, Paul Dohrmann, Willi Dokter, Johann Dombek, Arthur Feiertag, Max Feistel, Konrad Görtz, Theodor Greinacher, Günther Grötschel, Paul Heider, Richard Hingst, Hermann Hippmann, Adolf Hoffmann, Erich Jamm, Fritz Kanniga, Heribert Kasprowiak, Heinz Kiefer, Edmund Kienass, Heinrich Kleinschmidt, Alfred Kolbe, Richard Krause, Karl Kühne, Gustav Liebig, Friedrich Karl Losehand, Walter Marten, Alfred Masche, Artur Maschler, Rudolf Neumann, Alfred Pieschek, Werner Piltzing, Otto Pogede, Paul Porombka, Hugo Pötter, Willi Primke, Friedrich Reeck, Bernhard Richter, Friedrich Richter, Max Rosenthal, Wilhelm Röthlinger, Alex Sass, Rudolf Seidel, Hubert Spangenberg, Herbert Strauch, Gerhard Schlünsen, Bernhard Schönborsky, Richard Schrinner, Gerhard Schröder, Horst Schulz, Anton Staszak, Karl Thiede.
Um an sie zu erinnern und sie als Schicksalsgemeinschaft kenntlich zu machen, sind ihre Geschichten auf diesem Gedenkportal erzählt.
Arthur Feiertag verstarb am 23.Januar 1941 mit zweiundvierzig Jahren in Bernburg an der Saale. Bei dem auf seiner Geburtsurkunde handschriftlich notierten Todesdatum 4. Februar 1941 handelt es sich um die übliche Falschbeurkundung durch das in der Tötungsanstalt befindliche Standesamt Bernburg II.
Sein Name ist eingeschrieben in das Totenbuch in der Gedenkstätte für Opfer der NS-„Euthanasie“ Bernburg:
Die näheren Umstände des Neuruppiner Transports Nr. 19 vom 23. Januar 1941 nach Bernburg können der Biographie des Hermann Hippmann entnommen werden.
Text zusammengestellt von Linda Verdier
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