Charlotte Friederike Hofmann
aus Roth (evangelisch)
geb.
in
Roth
gest.
in
Pirna
aus Roth (evangelisch)
geb.
in
Roth
gest.
in
Pirna
Unsere Tante Lotte wurde am 8. Dezember 1908 im Bahnhof Roth geboren, wo ihr Vater Ernst Hofmann königlich bayerischer Eisenbahnoberinspektor war. Ihre Mutter Julie, geb Fuchs entstammte einer angesehenen Bürgerfamilie aus Roth. Ihre Großväter waren Tuchmacher in Hof und Kaufmann in Roth.
Sie wuchs in einer bürgerlichen Familie im Kreis ihrer fünf Schwestern und einem Bruder auf. Inwieweit sie Schule und Berufsausbildung absolvieren konnte, wurde unserer Generation nicht kommuniziert, da über ihre Existenz der Mantel des Schweigens gelegt wurde. Ihre Mutter Julie, eine gläubige Frau, schreibt am 22. Januar 1935 in ihr Tagebuch:
Ich gebe auch meine Hoffnung mit Lotte nie auf. Wenn seine Stunde da ist, dann macht ER die Lotte frei.
Von einer Freundin der Familie wurde lediglich berichtet, dass sie geistig behindert war und im "Dritten Reich" in einem Heim umgekommen sei.
Als Zeugnisse ihres Lebens blieben uns einige Fotographien und der Schriftwechsel mit der Tötungsanstalt Pirna-Sonnenstein. Im Alter von 23 Jahren wurde sie in die Heil- und Pflegeanstalt Ansbach mit der Diagnose Schizophrenie aufgenommen und verbrachte hier noch neun Jahre ihres Lebens. Eine Krankenakte ist weder im Bundesarchiv Berlin, noch im Staatsarchiv Nürnberg - Lichtenau erhalten.
Am 8. November 1940 wurde sie mit 93 anderen Patienten der Klinik vom Personal an ihre Henker des Transportes Nr. 3 übergeben.
Was geschah an diesem grauen Novembertag des Jahres 1940? Niemand von uns war damals anwesend. Laut historischen Wetteraufzeichnungen dieses Tages herrschte eine Temperatur von um 0 Grad, die Luftfeuchtigkeit betrug 83% , leichter Nieselregen 0,25mm mit Windgeschwindigkeitenvon 16 – 44 km/h.
Unsere Lotte wurde im Alter von 32 Jahren im grauen Bus der "Gemeinnützigen Krankentransport GmbH" mitten im 2. Weltkrieg in die Tötungsanstalt Pirna-Sonnenstein verbracht und dort wahrscheinlich noch am gleichen Abend in der Gaskammer getötet und ihr Leichnam im Anschluss verbrannt.
Die Urnenbeisetzung auf dem evangelischen Friedhof in Roth fand dann am 30. November statt. Im Kirchenbuch trägt Pfarrer Kübel neben den sonst üblichen Daten ausführlich die Angaben des sogenannten Trostbriefes der Tötungsanstalt Sonnenstein ein, in dem als Todesursache Akute Herzmuskelschwäche angegeben wird. Eine Todesanzeige findet sich in der lokalen Tageszeitung nicht und auch auf dem Grabstein wurde nichts eingraviert. Lediglich in der Gedenkstätte Pirna-Sonnenstein findet sich ihr Name auf einer Namensstele.
Im Gedächtnis unserer Familie bleibt sie wohl für immer eingraviert.
Text und Fotos: Dr. Peter Krüger
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