Henry Weyn
aus Kutenholz
geb.
in
St. Nicklaas bei Antwerpen
gest.
in
Lüneburg (Niedersachsen)
aus Kutenholz
geb.
in
St. Nicklaas bei Antwerpen
gest.
in
Lüneburg (Niedersachsen)
In der Ortschaft Kutenholz erinnern insgesamt vier Gedenkstelen auf dem örtlichen Friedhof an verschiedene Verstorbene, die während der Kriegszeit in Kutenholz starben oder dort beerdigt wurden.
Mit drei Stelen wird an insgesamt 14 verstorbene britische Soldaten erinnert, die während der Befreiung kurz vor dem Ende des Krieges starben.Eine weitere Gedenkstele mit vier eingravierten Namen erinnert an verschiedene Opfergruppen. Dabei handelt es sich unter anderem um zwei französische Männer. Einer dieser beiden Franzosen war ein Kriegsgefangener. Sein Landsmann war ein KZ-Häftling, der in seiner Heimat aktiv Widerstand gegen die Nationalsozialisten leistete.
Des Weiteren wird auf dieser Stele an einen kleinen polnischen Jungen erinnert, der in Kutenholz verstarb, und es wird eines jungen Belgiers gedacht, der in der Heil- und Pflegeanstalt Lüneburg ums Leben kam. Er lebte während der Kriegszeit mit seinen Eltern in Kutenholz.
Henry Weyn wurde am 03. März 1924 in St. Nicklaas bei Antwerpen, Belgien, geboren. Er zog mit seinen Eltern Theophiel und Maria Weyn, geb. Kleymann, nach Kutenholz, Hausnummer 85. Sein Vater Theophiel arbeitete als Weber. Henry half seinem Vater in der Werkstatt.
Henry soll laut Aussage seiner Eltern im Alter von drei Jahren auf den Kopf gefallen sein. Nachkommend führte dies wiederholt zu epileptischen Anfällen. Er blieb infolgedessen in seiner Entwicklung stark zurück. Ein Schulbesuch war ihm deshalb nicht möglich. Henry lebte unter ständiger Aufsicht seiner Eltern. Als sein Vater zum Heeresdienst eingezogen wurde, sah sich die Mutter außer Stande, sich allein um den bedürftigen Sohn zu kümmern und gleichzeitig zu arbeiten. Im guten Glauben, dass ihr Sohn in der Heil- und Pflegeanstalt Lüneburg besser versorgt sei, brachte der Vater ihn auf Anraten des damaligen Amtsarztes Dr. Klages aus Stade am 24. Oktober 1944 nach Lüneburg. Dort wurde er zunächst in Haus 21 aufgenommen und später in Haus 15 verlegt.
Was die Eltern nicht ahnten, war, dass die Patienten in der Heil- und Pflegeanstalt Lüneburg wie überall im Reich bewusst schlecht versorgt wurden. Henry sprach nur flämisch, weshalb der zuständige Arzt der Meinung war, dass er nur „vollidiotisch“ sprechen würde und eine Verständigung mit ihm nicht möglich sei. Am 08. April 1945 verstarb Henry im Alter von 21 Jahren in der Lüneburger Anstalt. Laut Bericht des zuständigen Arztes an Epilepsie, Dauerkrampfzustand.
Henry Weyn gehört wie Johannes Klaus Hauschildt aus Aspe zu den Opfern der NS-Psychiatrie. Menschen wie er, die psychisch krank oder behindert waren, wurden in der NS-Ideologie als nicht lebenswert erachtet. Henry wurde zwar nicht wie Johannes vergast, aber die Lebensbedingungen in den Heil- und Pflegeanstalten waren geprägt durch gezielte Unterversorgung und Mangelernährung sowie durch eine Überbelegung der Anstalten. Dieses führte gewollt zu einer hohen Sterblichkeit bei den anvertrauten Patienten/innen, wie man am Beispiel von Henry Weyn aus Kutenholz sehen kann. Sein Grab mit der Nummer 1446 befindet sich auf dem Nord-West-Friedhof der Anstalt in Lüneburg. Über den weiteren Verbleib seiner Eltern nach dem Krieg ist nichts bekannt.
Unter dem Punkt b) Belgier Nr. 2 finden sich Informationen zum Tod und Grab von Henry Weyn.
Bitte helfen Sie uns bei der Vervollständigung der Biografie von 'Henry Weyn'. Wenn Sie mehr wissen, Bild- oder anderes Material haben, würden wir uns sehr freuen, mit Ihnen in Kontakt zu kommen.