Richard Schrinner
Zeichner aus Berlin
geb.
in
Berlin
gest.
in
Bernburg
Zeichner aus Berlin
geb.
in
Berlin
gest.
in
Bernburg
Richard Arthur Paul Schrinner wurde am 23.Oktober 1896 in der Brunnenstraße in Berlin-Mitte als jüngster Sohn des Buchdruckereibesitzers Max Schrinner und dessen Ehefrau Anna Wolf geboren. Er war das jüngste von sieben Kindern, drei seiner Geschwister verstarben im Kindesalter.
Sein Vater verstarb, als Richard Schrinner ein Jahr alt war. Seine junge Mutter heiratete kurz darauf erneut, die Ehe wurde 1920 geschieden.1 Fußnote lesen
Im Alter von neununddreißig Jahren war Richard Schrinner im Jahr 1936 Patient der Städtischen Heil- und Pflegeanstalt Herzberge in Berlin-Lichtenberg. Seit wann er hier untergebracht war, ob er verheiratet war oder an welcher Krankheit er litt, ist unbekannt, da sich seine Patientenakte nicht unter den 30.000 archivierten Akten im Bundesarchiv befindet.2 Fußnote lesen
Aus Herzberge wurde Richard Schrinner am 14. Oktober 1936 in die damalige Landesanstalt Neuruppin verlegt. Dem dortigen Aufnahmebuch „Berliner Seelenliste“ kann man entnehmen, dass er zuvor als Zeichner tätig gewesen war.3 Fußnote lesen
Im Jahr 1940 wurde Richard Schrinner in dieser Anstalt im Alter von dreiundvierzig Jahren im Rahmen der NS-Krankenmorde „Aktion T4“ erfasst und für einen Abtransport in eine Tötungsanstalt vorgesehen. Wir wissen nicht, welche Angaben man auf seinem Meldebogen notierte. Da man sich durch die „Aktion T4“ der langjährigen Patienten, bei denen keine Heilung mehr in Aussicht stand und welche aufgrund der Schwere der Erkrankung keine Arbeit mehr verrichten konnten, zu entledigen suchte, kann man davon ausgehen, dass dies auch bei ihm der Fall war.
Richard Schrinner wurde im Januar 1941 mit dem 19. Neuruppiner Transport in die Tötungsanstalt Bernburg an der Saale überführt. Sein Name erscheint als Nr. 58 von insgesamt fünfundsiebzig Neuruppiner Patienten auf der Transportliste.4 Fußnote lesen
Dieser geplante Sammeltransport nach Bernburg, welcher möglichen Angehörigen gegenüber wie üblich als harmlose „Verlegung“ in eine andere Anstalt getarnt war, war laut Unterlagen ursprünglich bereits für den 17. Dezember 1940 vorgesehen. Aus unterschiedlichen Gründen wurde er aber zweimal kurzfristig verschoben und erfolgte erst am 23. Januar 1941, also fünf Wochen später als geplant. Auch hatte sich die Anzahl der für den Transport vorgesehenen Männer inzwischen auf dreiundsiebzig reduziert, da der Patient Georg Hebel noch als „arbeitender Kranker“ in der Landesanstalt Neuruppin gebraucht wurde und der Patient Max Ulbrich, ehemals Postschaffner aus Berlin-Kreuzberg, wenige Tag zuvor mit sechsundvierzig Jahren verstorben war.
Am Morgen des 23. Januars 1941 kam es dann zu einer erneuten Planänderung: Da einer der drei für den Transport bestellten Busse aufgrund eines Defekts ausfiel, strich man kurz vor Abreise die letzten dreizehn der nun noch dreiundsiebzig gelisteten Männer mit dem Vermerk „stehen für einen späteren Transport zur Verfügung“.5 Fußnote lesen
Die verbleibenden sechzig Personen verbrachte man in zwei Bussen in die Tötungsanstalt Bernburg.
Dort angekommen, wurde im allerletzten Moment noch ein weiterer Mann aus der Gruppe „verschont“: Die Arbeitskraft des fünfzigjährigen Patienten Max Feistels wurde von dem begutachtenden Arzt noch so hoch eingeschätzt, dass der ehemalige Frontsoldat und Lagerist aus Berlin-Neukölln ebenfalls zurückgestellt und in eine Heilanstalt zurückgeschickt wurde.Die übrigen neunundfünfzig Neuruppiner Patienten des Sammeltransports Nr. 19 starben gemeinsam noch am selben Tag in der Gaskammer in Bernburg.
Die meisten der Männer waren zwischen dreißig und fünfundvierzig Jahre alt, der jüngste war zwanzig, der älteste achtzig Jahre alt. Sie stammten etwa aus Berlin, Neuruppin, Hannover, Remscheid, Leipzig oder Königsberg. In einem früheren Leben waren sie unter anderem Zeichner, Zuschneider, Arbeiter, Fabrikantensöhne, Schiffsführer, Bürogehilfe, Kürschner, Schlosser, Gastwirt oder Artist. Einige hatten als Frontsoldaten im Ersten Weltkrieg gekämpft. Viele waren verheiratet, manche geschieden, einige Familienväter. Sie waren unter anderem aus den Heilanstalten Herzberge, Buch, Wittenau, Potsdam oder Fürstenwalde in die Landesanstalt nach Neuruppin verlegt worden.
Was all die Männer vereinte, war ihre menschenverachtende Einstufung als „Ballastexistenzen“ und der gemeinsame Weg in den Tod.
Ihre Namen waren: Rudolf Barton, Wilhelm Becker, Erwin Behr, Friedrich Boness, Richard Bork, Otto Borkhardt, Walter Bormann, Richard Buch, Hermann Cölpin, Fritz Dietrich, Paul Dohrmann, Willi Dokter, Johann Dombek, Arthur Feiertag, Max Feistel, Konrad Görtz, Theodor Greinacher, Günther Grötschel, Paul Heider, Richard Hingst, Hermann Hippmann, Adolf Hoffmann, Erich Jamm, Fritz Kanniga, Heribert Kasprowiak, Heinz Kiefer, Edmund Kienass, Heinrich Kleinschmidt, Alfred Kolbe, Richard Krause, Karl Kühne, Gustav Liebig, Friedrich Karl Losehand, Walter Marten, Alfred Masche, Artur Maschler, Rudolf Neumann, Alfred Pieschek, Werner Piltzing, Otto Pogede, Paul Porombka, Hugo Pötter, Willi Primke, Friedrich Reeck, Bernhard Richter, Friedrich Richter, Max Rosenthal, Wilhelm Röthlinger, Alex Sass, Rudolf Seidel, Hubert Spangenberg, Herbert Strauch, Gerhard Schlünsen, Bernhard Schönborsky, Richard Schrinner, Gerhard Schröder, Horst Schulz, Anton Staszak, Karl Thiede.
Um an sie zu erinnern und sie als Schicksalsgemeinschaft kenntlich zu machen, sind ihre Geschichten auf diesem Gedenkportal erzählt.
Richard Schrinner verstarb am 23. Januar 1941 mit vierundvierzig Jahren in Bernburg an der Saale. Sein Name ist eingeschrieben in das Totenbuch in der Gedenkstätte für Opfer der NS-„Euthanasie“ Bernburg:
Die näheren Umstände des Neuruppiner Transports Nr. 19 vom 23. Januar 1941 nach Bernburg an der Saale können der Biographie des Hermann Hippmann entnommen werden.
Die Biografie wurde von Linda Verdier erarbeitet.
Bitte helfen Sie uns bei der Vervollständigung der Biografie von 'Richard Schrinner'. Wenn Sie mehr wissen, Bild- oder anderes Material haben, würden wir uns sehr freuen, mit Ihnen in Kontakt zu kommen.