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Historischer Ort: Denkmal der Grauen Busse, Porträt 2
Opferbiografie
Elisabeth Bernardina Puttmann
18911941

Elisabeth Bernardina Puttmann
Dienstmädchen aus Herzfeld-Beckum (Nordrhein-Westfalen) (katholisch)

geb. 02.09.1891 in Liesborn (Nordrhein-Westfalen)
gst. 18.08.1941 in Hadamar (Hessen)

Von Wolfgang Vasel

Vater: Heinricus Casparus 'Heinrich Casper' Puttmann 07.03.1853 - 23.07.1928 Mutter: Franziska Puttmann geb. Wille 22.06.1867 - 23.11.1936

Elisabeth war ledig. Mit 8 Jahren kam sie schon zu einer fremden Familie, als Helferin für einfache Tätigkeiten. Schulbesuch ab Oktober 1898 bis 02.09.1905. 1917 hat sie beim Gutsbesitzer Rennefeld auf der Bauernschaft Hentrup in Liesborn gearbeitet. Dies geht aus einer Karte des Bruders Anton vom 19.10.1917 an Sie hervor. Anschließend muss Sie zu einem Bauern nach Herzfeld bei Beckum gewechselt sein.

Biografie erstellt am 21.07.2019, letzte Aktualisierung: 22.07.2019

Mit Beginn der Menstruation, ca. 1904, litt sie schon an starker Erregbarkeit. 1920 bekam sie eine Grippe mit Lungenentzündung. Seitdem hatte sie geistige Störungen (Knacken im Kopf). Sie wurde ca. 8 Wochen im Krankenhaus behandelt. Sie lag zunächst im St. Ida Hospital Hovestadt von ca. 03.1920 bis zum 05.04.1923 (Hier liegen keine Unterlagen mehr vor).

Von hier wurde Sie am 05.04.1923 in die Provinzial Heilanstalt Eickelborn wegen Ihrer Krankheit der "Einfache[n] Seelenstörung“ eingeliefert. In Eickelborn wurde sie bis 1941 behandelt. Sie hatte Wahnvorstellungen (Sie sagte immer, sie hätte zwei Köpfe und einen davon müsse sie abschneiden). Danach wurde sie am 02.07.1941 in die Landesheilanstalt Eichberg verlegt, das als Zwischenanstalt für Hadamar diente.

Während der gesamten Aufenthalte in den Kliniken seit 1920 -18.04.1941 schwankte Ihre Krankheit sehr stark. Mal konnte sie gut arbeiten, stricken und selbständig essen, dann wieder hatte sie extreme Wahnvorstellungen mit den zwei Köpfen, wovon sie einen abschneiden musste und das Bett danach voller Blut war. Des Weiteren sprach sie in diesem Zustand von Hexen und Teufeln. In Ihrer Körperhaltung verkrampfte sie ganz stark und ihr Blick ging ins Leere. In diesem Stadium musste ihr das Essen eingeflößt werden und sie wurde dann in ein Einzelzimmer verlegt, weil sie in diesem Zustand immer die anderen Patienten und Pfleger angriff. In dieser Zeit bekam sie auch immer regelmäßig Narkotika verabreicht.

Am 18. August 1941 wurde sie in einem Transport mit 93 weiteren Patienten von Eichberg nach Hadamar gebracht und anschließend sofort dort getötet. Die Patienten eines solchen Transports wurden in der Regel noch am Tag der Ankunft in die im Keller der Anstalt befindliche Gaskammer geschickt und ermordet. Der 18. August 1941 ist daher als der Todestag von Elisabeth Puttmann anzusehen. Das damals offiziell mitgeteilte Todesdatum (hier: „24.8.1941“) und die Todesursache wurden falsch angegeben, um Angehörige und Behörden zu täuschen.

Ausschnitt aus der Geburtsurkunde aus Liesborn Nr. 58/1891 mit Sterbevermerk Hadamar-Mönchberg Nr. 173/1941

Quellen

1) KB Taufregister Liesborn Nr. 58/1891

2) Geburtsregister Stadt Liesborn Nr. 58/1891 mit Sterbevermerk Hadamar-Mönchberg, Nr. 173/1941

 3) Aufnahmeauszug der Anstalt Eickelborn von 1941 (20.04.1923 - 18.08.1941) Aufnahme Nummer: 5618

4) Auszug aus Durchgangsbuch 41-45 Eichberg, zgl. die Transportliste Landesheilanstalt Eichberg lfd. Nr. 1403 vom 18.08.1941

5) Auskunft aus der Gedenkstätte Hadamar Mönchberg 8 / 65589 Hadamar, bezüglich Ihres Todes

6) Krankenakte vom Bundesarchiv Berlin mit der Signatur R 179/19914

7) Sterbeurkunde Hadamar S 126/2019

8) Das Mahnmal „Der Gebundene“ LWL Klinik Eickelborn-Lippstadt 

Assoziationen

Assoziationen
As­so­zi­a­tive Beziehungen und Verknüpfungen

Alle Opfer der NS-"Euthanasie"-Verbrechen haben ihre Individualität. Manche wurden jedoch aus ähnlichen Motiven verfolgt, einige teilten zum Beispiel Gewaltererfahrungen in ihren zwischenmenschlichen Beziehungen. Andere wiederum wurden doppelt sigmatisiert: Weil sie als psychisch krank und behindert galten und als homosexuell und jüdisch definiert wurden.
Diesen Verknüpfungen versuchen wir mit "Assoziationen" nachzugehen. Sie ermöglichen es auch, geographische Beziehungen in unserer Datenbank zu recherchieren. Sie können also erforschen, wer am selben Ort oder Region lebte, wer in der selben Anstalt lebte und ermordet wurde.

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