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Opferbiografie: Herta Martha Wieland, Porträt
Opferbiografie
Herta Martha Wieland
19091944

Herta Martha Wieland (geb. Ostwald)
ohne Beruf aus Potsdam (Brandenburg)

geb. 22.03.1909 in Berlin
gst. 25.03.1944 in Teupitz (Brandenburg)

Ihre Mutter: Anna Ida Martha Siewert, geb. Os(t)wald, Geburtsdatum und -ort sowie Hertas Vater sind unbekannt. Die Mutter wurde am 1.10.1942 nach Limsdorf/Möllendorf (Kreis Beeskow-Storkow) evakuiert und zog nach Kriegsende im Juni 1945 nach Falkenberg bei Berlin. Sie hatte drei weitere Kinder (Namen, Daten und Orte sind unbekannt).

 

1935/36: lernte Herta (ohne Beruf) den Schlosser Helmut Hermann Karl Wieland (geb. 1911 in Potsdam) in Neuruppin kennen. Sie heirateten am 7. März 1936 und zogen nach Treuenbrietzen. Ihre Kinder sind: Helga Herta Marie, geb. 20.1.1937, Käte Renate, geb. 24.3.1938, Egbert Hermann, geb. 16.11.1939 und Inge Christel Anna, geb. 24.2.1941.

Opferbiografie: Herta Martha Wieland, Porträt
Porträt von Herta Martha Wieland, 1943.
Biografie erstellt am 15.01.2018, letzte Aktualisierung: 13.12.2018
Die Familie Wieland 1935
Familienfoto, 1935.

1941: Umzug nach Stahnsdorf, Kreis Teltow, dann nach Potsdam, Grünstraße?, ihr Mann Helmut war seit 1941 im Krieg an der belgischen Front.

19. März 1944: Einweisung in die Heil- und Pflegeanstalt Teupitz, 3 Kinder kamen ins Kinderheim, die Jüngste blieb bei ihr. Der Grund ist bis heute unbekannt, es wurde in der Familie von epileptischen Anfällen gesprochen.

 

22. März 1944: Besuch ihres Mannes, der Fronturlaub hatte.

Die Familie Wieland 1943

25.3.1944: um 8.45 Uhr Tod in der Heil- und Pflegeanstalt Teupitz. Ihr Mann besuchte gegen Mittag noch einmal die Klinik: da wird ihm nur ihr Tod mitgeteilt (er sagte später: „Die haben sie gespritzt", wie sich eine Tochter erinnert). Todesursache: „Entkräftung bei Geisteskrankheit“ - wobei sie 6 Tage vorher, am Tag ihrer Einweisung, physisch vollkommen gesund und bei Kräften war. Tatsächliche Todesursache: vermutlich eine Luminol- oder Luftspritze.

Sterbeurkunde, 1944.
Eintrag in das Sterbebuch ,1944.

Eine reguläre Beerdigung fand nicht statt, sie wurde in einem Massengrab auf dem Gelände der Landesanstalt Teupitz vergraben.

1962: Tod des Helmut Wieland in Berlin

Herta Martha Wieland in Erinnerungen ihrer Kinder

Käte (über eine Situation im März 1944):

Sie stand mit mir im Bad und trocknete mich ab, denn sie machte mich für die Abreise fertig. Plötzlich fragte sie mich, ob ich denn Heimweh haben würde. Ich sagte nur: „Das weiß ich nicht. Was ist denn Heimweh?“ Ihre Antwort: „Na, wenn du traurig bist, weil du nicht zu Hause sein kannst und gerne dahin zurück möchtest.“ Sie hätte auch fragen können: „Wirst du mich denn ein bisschen vermissen?“ Das wäre aufs gleiche gekommen. Denn das hat sie vermutlich gemeint.

Egbert später zu seiner Tochter:

„Na, unsere Mutter hat doch auch verschimmeltes Brot gegessen. Und dann kam sie eben in die Klinik.“

Mein Vater (ein vor den Nazis geflohener Kommunist) sagte sofort als er von Herta und ihrem Tod erfuhr: „Was? So ist sie gestorben – da ist was faul. Ihr müsst etwas tun.“ (1957)

In der Familie wurde ihre Existenz verschwiegen, nur auf wiederholtes Nachfragen erfuhren wir EnkelInnen wenige Details.

Claudia Mehlmann

Assoziationen

Assoziationen
As­so­zi­a­tive Beziehungen und Verknüpfungen

Alle Opfer der NS-"Euthanasie"-Verbrechen haben ihre Individualität. Manche wurden jedoch aus ähnlichen Motiven verfolgt, einige teilten zum Beispiel Gewaltererfahrungen in ihren zwischenmenschlichen Beziehungen. Andere wiederum wurden doppelt sigmatisiert: Weil sie als psychisch krank und behindert galten und als homosexuell und jüdisch definiert wurden.
Diesen Verknüpfungen versuchen wir mit "Assoziationen" nachzugehen. Sie ermöglichen es auch, geographische Beziehungen in unserer Datenbank zu recherchieren. Sie können also erforschen, wer am selben Ort oder Region lebte, wer in der selben Anstalt lebte und ermordet wurde.

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Tätigkeiten

Mit ‚Herta Martha Wieland‘ verknüpfte Biografien

Literaturverweise

Ausgewählte Literatur zum Thema

Die Landesanstalt Teupitz
2002, Berlin

als Zwischenanstalt der “Euthanasie”-Anstalt Bernburg 1940-1941, in: Kristina Hübener (Hg.), Brandenburgische Heil- und Pflegeanstalten in der NS-Zeit, S. 195-217

AutorDietmar Schulze

Kommunen und NS-”Euthanasie”. Zwischenbilanz im “Fall Teupitz”
2013, Berlin

sowie Beitrag über eine Einzelfallentscheidung zu § 66 Personenstandsgesetz (PStG)

AutorPeter Josef Belli

Patientinnen und Patienten aus brandenburgischen Heil- und Pflegeanstalten
2002, Berlin

als Opfer der NS-”Euthanasie”-Verbrechen in Hadamar, in: Kristina Hübener (Hg.), Brandenburgische Heil- und Pflegeanstalten in der NS-Zeit.

AutorGeorg Lilienthal

Planung und Bau der Heil- und Pflegeanstalt durch Theodor Goecke
2003, Berlin-Brandenburg

in: Landesklinik Teupitz (Hg.), Landesklinik Teupitz. Geschichte-Architektur-Perspektiven, S. 23-45

AutorKristina Hübener und Wolfgang Rose

Teupitz und das Schenckenländchen
1973, Teupitz

Eine chronistische Betrachtung zur Sechshundertjahrfeier der Stadt Teupitz Teil 1

AutorHans Sussmann

Zwölf Jahre Landesklinik Teupitz
2002, Berlin

Eine kurze Zeit mit großen Veränderungen, in: Landesklinik Teupitz (Hg.), Landesklinik Teupitz. Geschichte-Architektur-Perspektiven, S. 123-128

AutorDoris Havenstein
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