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Opferbiografie: Johann Ruppel, Proträtfoto
Opferbiografie
Karl Johann Joachim Ruppel
18781941

Karl Johann Joachim Ruppel
Schmied aus Seligenstadt (Hessen)

geb. 30.03.1878 in Seligenstadt (Hessen)
gst. 06.06.1941 in Hadamar (Hessen)

Von Josef Ruppel

Karl Johann Joachim Ruppel (genannt Jean gesprochen Schaa), geb. am 30.03.1878, wurde von der Landesheilanstalt Herborn kommend am 17.12.1930 im psychiatrischen Krankenhaus Goddelau aufgenommen. Am 3. April 1941 wurde er in die Landesheilanstalt Weilmünster (damals "Zwischenanstalt" für die Tötungsanstalt Hadamar) verlegt. Von dort gelangte er in einem Transport mit 105 weiteren Patienten am 6. Juni 1941 nach Hadamar.

Biografie erstellt am 10.09.2020, letzte Aktualisierung: 17.09.2020

In der Regel wurden die Patienten eines solchen Transports noch am Tag der Ankunft in die sich im Keller der Anstalt befindliche Gaskammer geschickt und ermordet. Der 6. Juni 1941 ist daher als der Todestag von Jean anzusehen. Interessant ist, dass das Schreiben auf den 9. Juni 1941 datiert ist. Jean hat mit seinem bürokratischen Weiterleben seinen eigenen Tod finanziert, da von den zuständigen Behörden weiterhin Pflegekosten kassiert wurden.

Dies sind die Fakten, die die Unterlagen hergeben.

Johann Ruppel.

Laut Aussage meines Vaters und meiner Tante hatte mein Opa seinen Bruder Jean aus Goddelau zurück in die Familie nach Seligenstadt geholt. Dort hat er längere Zeit in der Familie mit gelebt. Auf Betreiben eines Arztes musste Jean zurück nach Goddelau. Meinem Großvater gelang es, ihn noch einmal für ca. 4 Wochen in die Familie zu holen. Der schon genannte Arzt ließ Jean wieder zurück nach Goddelau bringen. Mein Vater und  meine Tante berichteten mir, dass Jean in guter körperlicher Verfassung Seligenstadt verlassen hat. Als die Todesnachricht kam, sprach mein Großvater davon, dass Jean umgebracht wurde. Ein Freund meines Vaters hat mir wiederum dies bestätigt: Mein Vater habe ihm wie folgt die Todesnachricht überbracht:

„Du Franz, die haben den Jean umgebracht.“

Johann Ruppel (re.) mit Kindern aus der Nachbarschaft

Ein Indiz für den Aufenthalt in Seligenstadt könnte sein, dass Jean zu einem Zeitpunkt umgebracht wurde, als Personen mit seinem Krankheitsbild schon längst  umgebracht waren. (Dies ist die Aussage einer Krankenschwester aus Goddelau,  ich habe dies nicht explizit recherchiert). Mein Großvater hat es bis zu seinem Tod nicht verwunden, dass er seinen Bruder nicht schützen konnte.Als ich 1979 Interesse für eine Studentenverbindung zeigte, bat mich mein Vater eindringlich, nicht dieser Studentenverbindung beizutreten, da in dieser Verbindung die Person aktiv war, die für die Deportation von Jean verantwortlich war.

Am 18. Juli 2020 wurde in der Steinheimer Straße 52 in Seligenstadt ein Stolperstein für Johann Ruppel verlegt.

Assoziationen

Assoziationen
As­so­zi­a­tive Beziehungen und Verknüpfungen

Alle Opfer der NS-"Euthanasie"-Verbrechen haben ihre Individualität. Manche wurden jedoch aus ähnlichen Motiven verfolgt, einige teilten zum Beispiel Gewaltererfahrungen in ihren zwischenmenschlichen Beziehungen. Andere wiederum wurden doppelt sigmatisiert: Weil sie als psychisch krank und behindert galten und als homosexuell und jüdisch definiert wurden.
Diesen Verknüpfungen versuchen wir mit "Assoziationen" nachzugehen. Sie ermöglichen es auch, geographische Beziehungen in unserer Datenbank zu recherchieren. Sie können also erforschen, wer am selben Ort oder Region lebte, wer in der selben Anstalt lebte und ermordet wurde.

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