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Historischer Ort: Teniatysk, Ansicht des Ortes in den 1960er Jahren
Teniatyska
Teniatyska

Teniatyska
Täterort in Teniatyska

Teniatyska ist ein Dorf in der Wojewodschaft Lublin in Polen. Es war vor dem Zweiten Weltkrieg vor allem von Ukrainern bewohnt. Die Ortsansässigen wurden 1946 in die UdSSR und 1947 in die ehemals deutschen Westgebiete Polens deportiert. Ende des Jahres 1943 wurden einige Einwohner des Dorfes Opfer einer nahezu völlig unbekannten Mordaktion an behinderten und auffälligen Einwohnern. 

Täterort

Adresse22-680 TeniatyskaRoutenplaner
Namen der Opfer

Dobusz Safat

Malitska

Olenitsch Iwan

Panjus-Pilipowitsch Dmitro

Poscheljuzni Andrij

Der polnisch-ukrainische Heimatforscher Iwan Huk veröffentlichte 1996 ein Buch mit Erinnerungen über Teniatyska, in dem er auch auf die Aktion gegen Einwohner mit Behinderungen eingeht. Im Folgenden geben wir eine Übersetzung seiner Ausführungen wieder.

"Der Okkupant setzte sein Programm um. Er verfiel auf die Idee, unter anderem, die eroberten Länder von psychisch Kranken, Krüppeln und Taubstummen zu säubern. Am Ende des Jahre 1943 wünschten sich die Deutschen eine Auflistung nur dieser Leute in den Dörfern unserer Gemeinde. Niemand erklärte, warum diese Nachnamen nötig sind. Die Verzeichnisse wurden angefertigt und den Machthabern gegeben. In Dokumenten aus Tenetisk scheinen fünf Namen auf (s.u.) Eines Tages erschienen Deutsche beim Bürgermeister der Gemeinde  und nahmen diese Leute mit sich. Von da an hat sie nie jemand mehr gesehen. Nach einer gewissen Zeit haben die Leute herausgefunden, dass man diese Unglücklichen in das jüdische Lager nach Belzec gebracht hat. Dort hat man sie getötet und verbrannt. Wer waren diese Leute?

Teniatysk in den 1960er-Jahren. Archiv Ryszard Gawrys.

Poscheljuzni Andrij wurde geboren und lebte in einer sehr kranken Familie. In der fünften Klasse der Dorfschule wurde er im Kopf krank. Er war für eine lange Zeit krank. Niemand konnte ihn heilen und er blieb krank. Hungrig, barfuß, in Lumpen gekleidet lief er im Dorf herum und bat bei den Leuten um Essen, Trinken, im Winter wurde er in einer Ecke schlafen gelassen. Niemandem tat er etwas an. Im Gegenteil, solange es seine Krankheit zu ließ, half Andrij Kindern bei den Schulaufgaben. Außerdem spielte er hervorragend Geige. Er wurde sogar als Musikant zu Hochzeiten und Feiern eingeladen. Er war dann ganz fröhlich, wie ein Kind.

Safat Dobusz war ein alter, aber gesunder und kräftiger Mann. Er überwand alle Schwierigkeiten. Und er liebte die Arbeit. Er wohnte bei seinem Bruder und half seiner Familie ganz außerordentlich. Als sie kamen, ihn zu holen, verteidigte er sich. Lange kämpfte er mit vier Deutschen. Sie rangen ihn doch nieder, fesselten und nahmen in mit in das Land des Todes.

Dmitro Panjus Pilipowitsch war ebenfalls ein sonniger und sanfter Mensch, der bei seiner Familie lebte. Er half seinen Nächsten wie er nur konnte, nur sein Verstand war eingeschränkt. Wenn seine Krankheit sich verstärkte, konnte es passieren, dass er aus dem Haus ging und nach einigen Tagen zurückkehrte, ohne zu wissen, wo er gewesen war oder wen er getroffen hatte.

Dagegen haben nicht viele im Dorf von Malitska gehört. Die ältere Frau lebte bei ihrem Sohn. Eine schwere Beinkrankheit fesselte sie ans Bett. Die Leute sagten, dass ihr Sohn selbst, als die Deutschen kamen und nach Kranken fragten, sie verriet. Warum? Deshalb, weil er davon überzeugt war, dass sie zur Behandlung gebracht würde und wenigstens etwas in Sicherheit wäre. Der Sohn wusste nicht, dass ihre Trennung endgültig sein sollte.

Auch das Leben von Iwan Olenitsch ging in diesen Tagen zu Ende. Er war ein körperlich und geistig gesunder, arbeitsamer und ruhiger Mensch. Die Deutschen nahmen ihn nur deshalb mit und töteten ihn, weil er taub war."

Hinweis

Diese Angaben beruhen ausschließlich auf den Angaben eines Autors, der sich auf seine Erinnerungen und die anderer ehemaliger Einwohner des Ortes stützt. Sie konnten bisher quellenmäßig nicht gestützt werden; jedoch erscheint es als naheliegend, ihnen einen großen Wahrheitswert zuzuweisen. Die Angabe, dass die Opfer in Belzec ermordet wurden, muss allerdings bezweifelt werden. Zum Zeitpunkt der Aktion war das ehemalige Vernichtungslager bereits eingeebnet und nur mehr zur Tarnung von einem Bauern besiedelt. Allerdings erscheint es auch nicht als unlogisch, anzunehmen, dass dieser Ort weiterhin für Exekutionen benutzt wurde. 

Die Übersetzung aus dem Ukrainischen fertigte Robert Parzer an.

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Literaturverweise

Ausgewählte Literatur zum Thema

Selo nad Solokieju
1996, Warschau

AutorIwan Huk

Techniki zagłady w nazistowskich akcjach eutanazyjnych na terenie Kraju Warty (1939-1940)
2012, Warschau

In: Zagłada chorych psychicznie: Pamięć i historia

AutorArtur Hojan und Cameron Munro
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