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Historischer Ort: Taganrog, Verwaltungsgebäude des neuen Krankenhauses Taganrog, 1933
Abteilung für psychisch Kranke und geistig Behinderte des Städtischen Krankenhauses Nr. 5
Städtisches Notfallkrankenhaus Taganrog
Abteilung für psychisch Kranke und geistig Behinderte des Städtischen Krankenhauses Nr. 5
Städtisches Notfallkrankenhaus Taganrog

Abteilung für psychisch Kranke und geistig Behinderte des Städtischen Krankenhauses Nr. 5 (Städtisches Notfallkrankenhaus Taganrog )
Psychiatrisches Krankenhaus in Таганрог

Dr. Irina Rebrova

Verwaltungsgebäude des neuen Krankenhauses Taganrog, 1933, Quelle: Zeitung „Taganrogskaja prawda“ vom 3. Januar 1933.

Psychiatrisches Krankenhaus

AdresseБольшой пр., 16-а
347390 ТаганрогRoutenplaner
LinksWebseite der AusstellungWebseite des Krankenhauses
KontaktFrau Dr. Irina Rebrova
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Eine Augenzeugin berichtet

"Am Morgen des 27. Oktober 1941 kamen mit Maschinenpistolen bewaffnete deutsche Soldaten unter der Führung von Dr. Görz in die Abteilung. […] Auf dem Flur saßen zwei Patienten, die auf einen Arzt warteten. Sie fielen Görz auf. Da die Faschisten die Tür des Dienstraums nicht abgeschlossen hatten und gerade durch die Patientenzimmer gingen, nutzten wir die Gelegenheit, die beiden Wartenden zu warnen und forderten sie auf, das Krankenhaus unbemerkt zu verlassen, was sie auch taten (diese Patienten waren durchaus bei klarem Verstand). Als sich die faschistischen Bestien an diese beiden Patienten erinnerten und sie nicht finden konnten, sperrten sie die Außentür des Krankenhauses ab und nahmen den Schlüssel an sich."

 Aussage der Assistenzärztin der Abteilung für psychisch Kranke und geistig Behinderte des Städtischen Krankenhauses Nr. 5 Taganrog Antonina Jemeljanowa vom 8 März 1944.

Staatsarchiv des Gebiets Rostow, Best. R-3613, Verz. 1, Akte 1. Bl. 42–47 (handschriftlich); Akte 13, Bl.1–4 (maschinenschriftlich).

Im Jahr 1930 wurde in Taganrog (Gebiet Rostow) mit dem Bau eines neuen Krankenhauses begonnen, für das ein großes Areal außerhalb der Stadt ausgewiesen worden war. Das Krankenhaus bestand aus mehreren Gebäuden. In einem von ihnen war eine «Abteilung für psychisch Kranke und geistig Behinderte» untergebracht. Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges wurden in der Abteilung ca. 45 Personen behandelt.

In der zweiten Oktoberhälfte 1941 (Taganrog war bereits im Oktober 1941 besetzt worden) kam eine Gruppe deutscher Offiziere (hochwahrscheinlich waren sie Mitglieder der Einsatzgruppe D) zweimal in die Abteilung. Sie gingen durch die Zimmer und sahen sich die Krankenakten der Patienten an. Die Ärzte entließen eilig diejenigen Patient:innen, die sich auf dem Weg der Besserung befanden, aber auch solche, die Verwandte in der Stadt hatten. Am Morgen des 27. Oktober 1941 erschienen bewaffnete deutsche Soldaten in der Abteilung.

Laut einer Akte der Außerordentlichen Staatlichen Kommission wurden die mit Krankenhauswäsche bekleideten Patient:innen in Gruppen von bis zu drei Personen in den Innenhof des Krankenhauses getrieben und vor den Augen der nächsten Gruppe mit Maschinenpistolen erschossen. Insgesamt töteten die Deutschen 34 Patienten der Abteilung. Ihre Leichen wurden im Hof des Krankenhausgebäudes verscharrt.

Innenhof eines der Gebäude des Städtischen Notfallkrankenhauses, auf dem 1941 die Patienten der Abteilung für psychisch Kranke und geistig Behinderte, vermutlich von Mitgliedern des Sonderkommandos 10a der Einsatzgruppe D, erschossen wurden, 2018 Quelle: Irina Rebrova, 2018.

Ermordet wurden auch Patient:innen der psychiatrischen Kolonien, die sich unweit von Taganrog befanden. In der Kosakensiedlung Olginskaja wurden alle Patient:innen (45 Personen) von den Deutschen in einem Gebäude der Kolonie zusammengetrieben und auf Pferdefuhrwerken aus der Siedlung gebracht. Nur drei Patienten gelang die Flucht. Im Dorf Dmitriadowka erschossen die Deutschen alle 38 Patienten der dortigen Kolonie, die sie anschließend zerstörten.

Historische Aufarbeitung / Gedenken

Der Fall der Tötung der Patient:innen im 1941 wurde nur laut der Akten der sowjetischen Außerordentlichen Staatlichen Kommission bekannt. Es gibt eine Tafel in der Ausstellung „Vergesst uns nicht...“, die zum ersten Mal den Fall thematisiert. Keine historische Aufarbeitung oder Erinnerung an den Opfern in Taganrog bis jetzt gemacht wurde.  Heute befindet sich an dieser Stelle das Städtische Notfallkrankenhaus Taganrog.

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