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Seite: Aktion T4, Foto des Zuchthauses Brandenburg an der Havel
T4-Tötungsanstalt Brandenburg/Havel
Gedenkstätte für die Opfer der Euthanasie-Morde in Brandenburg/Havel
T4-Tötungsanstalt Brandenburg/Havel
Gedenkstätte für die Opfer der Euthanasie-Morde in Brandenburg/Havel

T4-Tötungsanstalt Brandenburg/Havel (Gedenkstätte für die Opfer der Euthanasie-Morde in Brandenburg/Havel)
T4-Tötungsanstalt in Brandenburg/Havel

Die T4-Tötungsanstalt Brandenburg/Havel wurde auf dem Gelände des alten Zuchthauses errichtet, das im 18. Jahrhundert als Armenhaus gebaut wurde. Bis 1931 als Gefängnis genutzt, wurde dort 1933 kurzzeitig ein Konzentrationslager eingerichtet. Zwischen 1934 und 1939 wieder als Gefängnis in Betrieb, begannen ab Anfang Dezember 1939 Umbauarbeiten, um das Gebäude als Tötungsanstalt umzubauen.

T4-TötungsanstaltDenkmal, Gedenkstätte, Museum

AdresseNicolaiplatz 28
14770 Brandenburg/HavelRoutenplaner
LinksWebseite der Gedenkstätte
KontaktFrau Dr. Sylvia de Pasquale
Tel 03381-7935112
E-Mail schreiben
ÖffnungszeitDo - Fr 13 bis 17 Uhr Sa - So 10 bis 17 Uhr
AngebotFührungen, Studientage, Angebote in leichter Sprache

Aktion T4

Die Tötungsanstalt wurde im westlichen Teil des Alten Zuchthauses eingerichtet. 

Wie im Foto zu erkennen, befand sich links die Anstaltsscheune mit der Gaskammer. Rechts davon, im Zellentrakt, befanden sich die Büroräumlichkeiten der Mitarbeiter der Aktion T4 in Brandenburg/Havel.

Historischer Ort: Brandenburg/Havel, Altes Foto
Aufnahme des Zuchthauses, 1920er-Jahre. Links die Scheune, mittig der Zellentrakt. Quelle: Action Reinhard Camps.

Der so genannte Tötungstrakt bestand aus mehreren Räumen: Einem Aufnahmeraum zur Sammlung der transportierten Patienten, einem Umkleideraum, in dem sich die Patienten ausziehen mussten und einem Vorraum, in dem ein Arzt die Identität der zu Ermordenden feststellte. Anschließend brachten Pfleger die Patienten in die als Inhalierraum getrante Gaskammer. 

Probevergasung

Anfang des Jahres 1940 waren NS-Funktionäre und führendes Personal der Aktion T4 nach Brandenburg/Havel gekommen, um der Ermordung von Patienten in der Gaskammer und durch Giftspritzen zuzusehen. Der Ablauf der Aktion wie auch die Identität der Täter und der Ermordeten ist nach wie vor nicht gänzlich geklärt. Ein wichtiges Element ist die Anwesenheit des Polizeichemikers August Becker, der zuvor schon im Fort VII im Oktober oder November 1939 eine Vergasung von Patienten der Anstalt Owinsk oder Tiegenhof gesehen hatte. Er könnte eine Art Wissenstransfer von den regionalen Patientenmorden im Warthegau zur Aktion T4 vollzogen haben.

Morde von Februar bis Oktober 1940

In diesem Zeitraum wurden über 9000 Patienten in Brandenburg/Havel, mitten in der Stadt, ermordet. Die ersten Opfer waren psychisch kranke Straftäter aus der Heil- und Pflegeanstalt Waldheim in Sachsen. Ab dem 1. Februar 1940 wurden von dort 235 Männer nach Brandenburg/Havel gebracht und dort ermordet. Etwas später wurden auch psychisch kranke Verbrecher aus dem Rheinland (Anstalten Bedburg-Hau und Düren) mit der Bahn nach Waldheim und von dort nach Brandenburg/Havel gebracht.

Einzugsgebiet und Zwischenanstalten

Aus über 80 verschiedenen Einrichtungen wurden Patienten nach Brandenburg/Havel zur Ermordung gebracht. Zum überwiegenden Teil kamen sie aus Berlin und Sachsen. Im Rahmen einer Sonderaktion gegen jüdische Patienten wurden auch Anstalten aus dem nord- und mitteldeutschen Raum einbezogen, z.B. Wunstorf.

Ab dem Frühsommer 1940 wurden zur besseren Organisation Zwischenanstalten eingerichtet. Patienten kamen aus ihren Einrichtungen zuerst dort hin und dann gesammelt nach Brandenburg/Havel. Zwischenanstalten waren

Neuruppin, Wittstock/Dosse, Teupitz, Waldheim, Uchtspringe, Altscherbitz und Jerichow.

Krematorium

Die von der Berliner Firma Kori gelieferten zwei transportablen Öfen waren zuerst in der Anstaltsscheune im Tötungstrakt aufgebaut. Da die Tötungsanstalt mitten in der Stadt lag, ließen sich Rauch, Feuer und vermutlich auch Gestank nicht lange verheimlichen. Die Anlage wurde deshalb im Juli 1940 ungefähr sechs Kilometer entfernt in der Ortschaft Paterdamm aufgestellt und als Chemische Versuchsstation getarnt. 

Ende der Morde

Ebenfalls wegen der nicht vorhandenen Geheimhaltungsmöglichkeit suchte die Berliner T4-Zentrale ab Sommer 1940 nach Ersatz. Dieser wurde in Bernburg gefunden und die Anstalt mit einem Großteil des Peronals im Oktober 1940 dorthin verlagert. Viele der Brandenburger Mörder waren später in den Lagern der Aktion Reinhardt tätig.

Juristische Verfolgung der Täter

Gegen den Leiter der Tötungsanstalt, Irmfried Eberl, wurde nach dem Krieg in Westdeutschland ermittelt. Er nahm sich in der Strafanstalt in Ulm das Leben. Zwei andere Tötungsärzte, Aquilin Ullrich und Heinrich Bunke, wurden seit den 1960er-Jahren strafrechtlich verfolgt, konnten aber erst 1987 in Frankfurt/Main zu geringen Haftstrafen verurteilt werden. Nur sehr wenige Pfleger wurden juristisch belangt. Christel Zielke, die Tin Brandenburg Transporte begleitet und im Auskleideraum gearbeitet hatte, wurde 1948 für ihre Verbrechen in Hadamar zu knapp vier Jahren verurteilt. Einige der später in der Aktion Reinhardt tätigen Männer wurden für ihre Verbrechen in den Vernichtungslagern verurteilt, wobei ihre Tätigkeit im Rahmen der NS-"Euthanasie"-Verbrechen ebenfalls zur Sprache kam.

Gedenken

Im September 1947 lud die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes zu einer ersten Gedenkveranstaltung ein. Auf dem Gelände erinnerte ab 1962 nur  eine Gedenktafel an die Verbrechen, bevor 1997 durch die Stadt Brandenburg/Havel eine erste Gedenkstätte eingerichtet wurde. Im Zuge der Arbeiten wurden auch die Fundamente der Anstaltsscheune freigelegt. Sieben Tafeln informierten über die Geschichte; diese wurden im Jahr 2003 überarbeitet.

Am 17. August 2012 wurde im ehemaligen Werkstattgebäude des Alten Zuchthauses die Gedenkstätte für die Opfer der Euthanasie-Morde in Trägerschaft der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten, als letzte Einrichtung nach den schon bestehenden Erinnerungsorten in den Tötungsanstalten Bernburg, Grafeneck, Hadamar, Hartheim und Pirna-Sonnenstein eröffnet. Im Zuchthausgebäude selber nutzt die Stiftung Räume als Museum, Archiv und zur Schulung. Ebenso ist dort die Projektwerkstatt „Robert Havemann“ untergebracht

Amateur-Videoaufnahmen der Einweihung der Gedenkstätte im Jahr 1997. Eine der Rednerinnen ist Elvira Manthey, die kurz vor der Gaskammer in Brandenburg wieder zurück geschickt wurde.

Interview mit Thomas Kuennecke

Thomas Kuennecke ist Teil einer Gruppe von Menschen mit seelischen Hindernissen, die im Juni 2014 an NS-"Euthanasie"-Gedenkstätten fuhr und dort auf sich und ihre "Begegnung mit einer möglichen Vergangenheit" aufmerksam machte. Im Interview erzählt er über die Erfahrungen und Hintergründe.

Blogartikel
Blog: Partizipativ erinnern, Zelt vor der Gedenkstätte
Veranstaltung
03.07.2018

Veranstaltungsbericht: Partizipativ Erinnern

Ein Zelt, das vor der Gedenkstätte aufgebaut wurde, diente dabei als Begegnungs- und Ausstellungsort. Als besonders beeindruckend erlebten die TelnehmerInnen die Führung durch die Guides der Gedenkstätte, selbst Menschen mit Behinderungen, die durch eine bisher einmalige Kooperation zwischen der Gedenkstätte und der Lebenshilfe Brandenburg/Havel zu Guides ausgebildet wurden. Die abschliessende Podiumsdiskussion gab zwei Vertretern von Selbstvertretungsorganisationen von Menschen mit Behinderungen, zwei Guides mit Behinderung, einem Historiker der Gedenkstätte und dem neue Beauftragten der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderung, Jürgen Dusel, Gelegenheit, die Veranstaltung Revue passieren zu lassen und ihre Bedeutung zu betonen. In der Tat sind solche Veranstaltungen noch lange nicht selbstverständlich. Zwar bieten mittlerweile viele Gedenkstätten Führungen und andere pädagogischen Angebote in leichter Sprache an. Die Gedenkstätte für die Opfer der NS-"Euthanasie"-Morde in Brandenburg/Havel ist aber den entscheidenen Schritt weiter gegangen: Menschen mit Behinderung nicht nur als Konsumenten von Bildung zu betrachten, sondern sie als Akteure der Erinnerungskultur genau so ernst zu nehmen wie alle Anderen auch.   
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Verknüpfungen von historischen Orten

Assoziationen
As­so­zi­a­tive Beziehungen und Verknüpfungen

Viele Orte, an denen NS-"Euthanasie"-Verbrechen stattfanden,  haben mit einander zu tun. Patienten wurden zwischen Anstalten hin- und hergebracht, Täter arbeiteten an identischen Orten. Diesen Verknüpfungen versuchen wir mit "Assoziationen" nachzugehen. Es ist daran gedacht, in Zukunft noch besser den Netzwerkcharakter der Aktion T4 abbilden zu können.

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Literaturverweise

Ausgewählte Literatur zum Thema

Betriebsausflug in die Gaskammer
2009, Gaienhofen

AutorBernhard Selting

Brandenburgische Heil- und Pflegeanstalten in der NS-Zeit
2002, Berlin

(= Schriftenreihe zur Medizin-Geschichte des Landes Brandenburg). Band 3

AutorKristina Hübener in Zusammenarbeit mit Martin Heinze (Hg.)
ISBN3-89809-301-8

Die Euthanasie-Anstalt Brandenburg an der Havel
2012, Berlin

Morde an Kranken und Behinderten im Nationalsozialismus

AutorAstrid Ley und Annette Hinz-Wessels
ISBN978-3-86331-085-1

Die Tötungs-Anstalt Brandenburg 1940
2012, Berlin

Behinderte Menschen wurden ermordet. Texte in Leichter Sprache

AutorUta George u.a. (Hg.)
ISBN978-3-86331-097-4

Experten der Vernichtung
2013, Hamburg

Das T4-Reinhardt-Netzwerk in den Lagern Belzec, Sobibor und Treblinka

AutorSara Berger
ISBN978-3-86854-268-4

Irmfried Eberl
2010, Frankfurt/Main

"Euthanasie"-Arzt und Kommandant von Treblinka

AutorMichael Grabher
ISBN978-3-631-54855-4

The "Euthanasia-Institution" of Brandenburg an der Havel
2012, Berlin

Murder of the Ill and Handicapped during National Socialism

AutorAstrid Ley und Annette Hinz-Wessels (Hg.)

Psychiatrie in Waldheim/Sachsen 1716-1946
1994, Frankfurt/Main

AutorSonja Schröter
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Gedenkstätten, Museen, Stolpersteine und/oder Initiativen in der Nähe von 'T4-Tötungsanstalt Brandenburg/Havel (Gedenkstätte für die Opfer der Euthanasie-Morde in Brandenburg/Havel, Brandenburg/Havel)'

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