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Historischer Ort: Denkmal der Grauen Busse, Porträt 2
Victims biography
Therese Lüger
18771940

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Therese Lüger
Näherin, Wäscherin from Bedburg-Hau (Nordrhein-Westfalen)

b. 01/02/1877 in Essen (Nordrhein-Westfalen)
d. 03/06/1940 in Grafeneck (Baden-Württemberg)

Über Frau Therese Lüger  aus Altenessen ist eine über 30-jährige Hospitalisierungsgeschichte in den Akten dokumentiert – sie verweilte mehr oder weniger freiwillig zwischen ihrem 30. und 63. Lebensjahr in ca. zehn verschiedenen rheinländischen Anstalten, die letzten 9 Jahre bis zu ihrer Deportation nach Zwiefalten dann fast ununterbrochen in Bedburg-Hau. Ihre Diagnosen sind „Epilepsie mit Seelenstörung“ oder „Hystero-Epilepsie“. 

Biography created on 08/07/2018, last update on 12/13/2018

Zu ihrer Kindheit ist wenig zu erfahren, bei einer Klinik-Aufnahme berichtet sie, dass sie nur wenige Jahre die Schule besucht habe, da sie schon als Kind Anfälle hatte – sie erklärt diese damit, dass sie „vom Baum gefallen“ sei. Der Vater war Polizist, die Mutter sei früh gestorben. Mit 17 Jahren hat sie geheiratet und sechs Kinder geboren, von denen fünf kurz nach der Geburt gestorben sind. Ihr Mann stirbt 1903 „an Pocken“.

Die ab 1914 dokumentierten Anstaltsaufenthalte spiegeln eine schillernde und belastete Persönlichkeit wieder. Ab 1907 lebte sie mehrere Monate bis zu zwei Jahren jeweils in folgenden Heil- und Pflegeanstalten: es begann in Bedburg-Hau 1907 und es folgten bis 1931 die Anstalten Grafenberg, Warstein, Düren, Waldbreitbach, Crefeld, Neuss, Eichberg, Klosterhoven und Tannenhof. 1916 war sie mehrere Monate in einem Pflegeheim in Düsseldorf. Anlässe für die jeweiligen Einweisungen waren entweder polizeiliche Anordnungen wegen Bagatelldiebstähle von Kleidungsstücken - sie arbeitete immer wieder zwischen den Anstaltsaufenthalten in Nähstuben oder Wäschereien – oder sie wurde nach einem epileptischen Anfall hilflos auf der Straße gefunden, sie hatte bis in die 1930er Jahre drei bis vier Anfälle im Monat. Nach kurzem Aufenthalt in der jeweiligen Einrichtung bat sie heftig um ihre Entlassung, die ihr aber selten umgehend gewährt wurde. 1923 wurde sie entmündigt, als Vormund wurde ihre Tochter eingesetzt, die in Düsseldorf verheiratet war. Ihr jeweiliges Verhalten in den langen Anstaltsaufenthalten wechselte zwischen „fleißig und gefügig, suizidal, andere Mitpatientinnen aufwiegelnd, Erregungszustände“.


Am 24.3.1931 wurde sie schließlich wieder in Bedburg-Hau wegen eines Kleidungsdiebstahls aufgenommen. Am 1.5.1931 ist vermerkt, dass ihr ihre Tochter Handarbeitsmateriel schickt. Am 9.5.1931 steht geschrieben, dass sie mit einer Anzeige gegen das Personal droht, dass sie sich schlecht behandelt fühlt („das Essen ist ein Fraß“) und dass sie entlassen werden will. Am 21.6.1931 wird die Anweisung des Polizeipräsidenten von Düsseldorf zitiert, Frau Lüger dürfe nur mit seiner Genehmigung entlassen oder beurlaubt werden. Bis 1938 bleibt sie laut Akte ununterbrochen in Anstaltsbehandlung mit wechselndem Befinden: „Fleißig, unauffällig, ordentlich, gefügig, oft unzufrieden aber fleißig, wechselnde Stimmung, will sich erhängen, freundlich, hilfsbereit“.


Am 29. Dezember 1938 wird Frau Lüger zu Ihrer Tochter beurlaubt und kommt „in guter Stimmung“ am 8.1.1939 zurück. Am 22.12. 1939 wird sie wieder für drei Wochen zur Tochter beurlaubt. Der vorletzte Eintrag am 28.2.1940 ist „freundlich, zugewandt“, dann am 6.3.1940: Überführung nach Zwiefalten.

Das offensichtliche „mehr Kümmern“ der Tochter um sie konnte ihre Deportation nicht verhindern. Wie die anderen Angehörigen der rheinländischen Opfer wurde sie über die geheime Operation nicht informiert.

Quelle

Bundesarchiv Berlin R 179/6699. Krankenakte: 59 Seiten, 95% diverse Handschriften, 5% getippt.

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Diesen Verknüpfungen versuchen wir mit "Assoziationen" nachzugehen. Sie ermöglichen es auch, geographische Beziehungen in unserer Datenbank zu recherchieren. Sie können also erforschen, wer am selben Ort oder Region lebte, wer in der selben Anstalt lebte und ermordet wurde.

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