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Historischer Ort: Denkmal der Grauen Busse, Porträt 1
Victims biography
Adolf Hund
18771940

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Adolf Hund
Kellner from Ravensburg (Baden-Württemberg)

b. 02/07/1877 in Ravensburg (Baden-Württemberg)
d. 08/28/1940 in Grafeneck (Baden-Württemberg)

Von Paul-Otto Schmidt-Michel

Adolf Hund1, am 7.2.1877 in Ravensburg geboren, wurde am 12.9.1919 in die Heilanstalt Weißenau aufgenommen. Er hatte drei Geschwister, Vater und Mutter waren bei seiner Aufnahme bereits verstorben.

  1. Bundesarchiv, Bestand R 179, Nr. 24692, 34 Seiten – diverse Handschriften.
Biography created on 05/07/2018, last update on 05/31/2018

Biographisch wird in der Akte beschrieben, dass er nach Abschluss der Volksschule eine Lehre als Kellner in Weingarten absolvierte und danach in der Schweiz, in Italien, Frankreich und England als Kellner gearbeitet hat. 1897 bis 1899 leistete er „aktiven Wehrdienst“ in Weingarten. In England erkrankte er 1902 an einer bakteriellen Infektion, konnte aber weiter arbeiten. 1911 unterzog er sich einer Behandlung der Infektion mit Salvarsan in Tübingen. Am 7.7.1915 wurde er zum Heeresdienst eingezogen, im November 1917 wegen des Verdachts der anhaltenden Infektion für zwei Wochen zur Beobachtung nach Weißenau geschickt und dort für wehruntauglich erklärt. Ab Dezember 1917 bis zum 7.1.1919 arbeitete er bei einem Gärtner in Weingarten. Während dieser Zeit fühlte er sich meist müde, hatte Schwindel und Magenbeschwerden und war „reizbar“.

Bei der Aufnahme in Weißenau wurde eine Infektion des Gehirns diagnostiziert. Nach der Aufnahme lautet der erste Eintrag: „Hält
sich geordnet, bleibt für sich. Arbeitskraft […] sehr gut“. Bis 1925 wiederholen sich diese kurzen Beschreibungen seines Verhaltens und es wird betont, dass „er gut gehen kann“ und sein Gedächtnis gut sei. Ab 1925 lehnt er über Jahre hin weg jegliche Arbeit ab: „Arbeitet nicht, raucht den ganzen Tag, will in Ruhe gelassen sein, ablehnend zum Arzt“. Im Juli 1928 wird erwähnt, dass seine Schwester ihm „Geld aus der Schweiz“ geschickt habe und er sich darüber ärgere, dass er „über das Geld nicht selbst verfügen kann“. Ab 1932 häufen sich die Einträge, dass er seine Entlassung einfordert und sich erregt zeigt, wenn diese abgelehnt wird. Erst Ende der 1930er Jahre wird häufig erwähnt, dass er regelmäßig „Besuch seiner Angehörigen“ erhält, mit diesen jedoch streitet – über was, wird nicht gesagt.

In den letzten beiden Einträgen (10.10.1939 und 15.3.1940) wird geschrieben: „Schaut meist zum Fenster hinaus, hat kein Kontakt mit den Anderen, liest manchmal die Zeitung, arbeitet nichts, besorgt sich selbst“. Adolf Hund wird am 28.8.1940 zusammen mit weiteren 75 Männern und Frauen in Weißenau abgeholt und in Grafeneck getötet.

Assoziationen

Assoziationen
As­so­zi­a­tive Beziehungen und Verknüpfungen

Alle Opfer der NS-"Euthanasie"-Verbrechen haben ihre Individualität. Manche wurden jedoch aus ähnlichen Motiven verfolgt, einige teilten zum Beispiel Gewaltererfahrungen in ihren zwischenmenschlichen Beziehungen. Andere wiederum wurden doppelt sigmatisiert: Weil sie als psychisch krank und behindert galten und als homosexuell und jüdisch definiert wurden.
Diesen Verknüpfungen versuchen wir mit "Assoziationen" nachzugehen. Sie ermöglichen es auch, geographische Beziehungen in unserer Datenbank zu recherchieren. Sie können also erforschen, wer am selben Ort oder Region lebte, wer in der selben Anstalt lebte und ermordet wurde.

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