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Victims biography
Mathilde Luise Felten
18611943

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Mathilde Luise Felten
from Berlin

b. 03/13/1861 in Krzyż Wielkopolski (Wielkopolska)
d. 12/10/1943 in Meseritz (Międzyrzecz) (Województwo Lubuskie)

Mathilde Felten wurde am 13. März 1861 in Selchow/Pommern geboren. Sie war verwitwet; ihr Mann, ein Metallarbeiter, war im Alter von 55 Jahren an einem Lungenleiden verstorben.
Mathilde Felten hatte acht Kinder zur Welt gebracht; zwei von ihnen waren noch im Kleinkindalter gestorben, zwei erwachsene Söhne im Ersten Weltkrieg gefallen.

Biography created on 12/10/2017, last update on 01/24/2018

Ihr letzter Wohnort war in Berlin-Reinickendorf in der Laubenkolonie Am Tegeler Schießplatz, jetzt Saturnstraße 1, nahe dem heutigen Flughafen Berlin-Tegel. Dort lebte sie gemeinsam mit einer ihrer Töchter in einer Gartenlaube, was als Hinweis auf ihre schlechte soziale Lage gedeutet werden kann. Die hygienischen Bedingungen waren ebenso wie die Möglichkeiten, die Lauben zu beheizen, unzureichend.

So war denn auch ein akuter Bronchialkatarrh im Februar 1943 der unmittelbare Anlass für die Aufnahme von Mathilde Felten in das Hufeland-Hospital, das zu dieser Zeit in den Gebäuden der ehemaligen Heil- und Pflegeanstalt in Berlin-Buch untergebracht war. Die Unterbringung in einem Hospital weist darauf hin, dass Mathilde Felten unabhängig von ihrer akuten Atemwegserkrankung aufgrund ihres hohen Alters pflegebedürftig und nicht mehr in der Lage war, sich selbst zu versorgen. Zudem ist in der Krankenakte vermerkt, dass die Töchter ihre Mutter bereits seit dem Sommer 1942 seelisch verändert erlebt hatten.

Im Hufeland-Hospital verblieb Mathilde Felten etwa ein halbes Jahr; im Sommer 1943 verschlechterte sich ihr psychischer Zustand weiter: „Seit etwa 4 Wochen seelisch verändert, spricht verwirrt“, heißt es am 23. Juli 1943. Schließlich galt sie im Hufeland-Hospital als nicht mehr tragbar: „Völlig dement, stört die Stationsarbeit“, lautet der Eintrag vom 3. August 1943. Noch am selben Tag wurde Mathilde Felten verlegt.
Die Aufnahme in die Wittenauer Heilstätten, damals die einzige noch verbliebene Heil- und Pflegeanstalt Berlins, erfolgte mit der Diagnose „Senile Demenz“; außerdem wurde eine „Herzmuskelschwäche“ festgestellt. Die Töchter von Mathilde Felten teilten dem aufnehmenden Arzt die Vorgeschichte mit. Der psychische Befund bei der Aufnahme bewertete Mathilde Felten zusammenfassend als desorientierte und geschwätzige alte Frau. Bis Dezember 1943 verschlechterte sich ihr seelischer und körperlicher Zustand weiter.
Sie war bettlägerig und wurde als verwirrt geschildert: „Patientin halluziniert lebhaft, sieht in allen Personen ihre Kinder.“ Wie schon im Hufeland-Hospital wurde sie als „störend“ und „pflegebedürftig“ beschrieben. Im letzten Eintrag der Krankengeschichte heißt es am Nikolaustag 1943: „Bettlägerig, verwirrt, muss ganz besorgt werden. Zur Verlegung vorgeschlagen.“

Am 8. Dezember 1943 traf Mathilde Felten mit einem Sammeltransport in der rund 150 km östlich von Berlin gelegenen Landesanstalt Meseritz-Obrawalde ein. Dort starb sie bereits zwei Tage später, am 10. Dezember. Als Todesursache wurde Herzmuskelschwäche vermerkt.
Tatsächlich lassen die Umstände ihres Todes darauf schließen, dass die nicht arbeitsfähige, alte und kranke Frau kurz nach ihrer Ankunft in Obrawalde in einem dort tausendfach geübten Verfahren mit einer Überdosis Medikamenten vergiftet wurde.

Die Biografie wurde von Tobias Neubert erarbeitet.

Assoziationen

Assoziationen
As­so­zi­a­tive Beziehungen und Verknüpfungen

Alle Opfer der NS-"Euthanasie"-Verbrechen haben ihre Individualität. Manche wurden jedoch aus ähnlichen Motiven verfolgt, einige teilten zum Beispiel Gewaltererfahrungen in ihren zwischenmenschlichen Beziehungen. Andere wiederum wurden doppelt sigmatisiert: Weil sie als psychisch krank und behindert galten und als homosexuell und jüdisch definiert wurden.
Diesen Verknüpfungen versuchen wir mit "Assoziationen" nachzugehen. Sie ermöglichen es auch, geographische Beziehungen in unserer Datenbank zu recherchieren. Sie können also erforschen, wer am selben Ort oder Region lebte, wer in der selben Anstalt lebte und ermordet wurde.

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Literaturverweise

Ausgewählte Literatur zum Thema

Totgeschwiegen 1933_1945
1988, Berlin

Geschichte der Wittenauer Heilstätten im Nationalsozialismus

AuthorArbeitsgruppe Erforschung der Geschichte der Karl-Bonhoeffer-Nervenklinik
ISBN3-9216175-08-7
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