Back to top
Historischer Ort: Denkmal der Grauen Busse, Porträt 3
Victims biography
Frieda Rybski
19041944

Our volunteers have not translated this content into your language yet.

Please help and support us!
Read this page in: German

Frieda Rybski
Buchbinderin from Berlin

b. 06/14/1904 in Bolesławiec (Dolny Śląsk)
d. 03/23/1944 in Meseritz (Międzyrzecz) (Województwo Lubuskie)

Frieda Rybski wurde am 14. Juni 1904 in Bunzlau (heute polnisch Bolesławiec/Riesengebirge) geboren.

Biography created on 01/18/2018, last update on 01/25/2018
Selbstzeugnis

"Werde ich denn hier als Kranke angesehen oder als Kriegsgefangene" 

Frieda Rybski in der Anstalt Wittenau, 1943.

Sie blieb ledig und hatte keine Kinder. Als sie 39-jährig am 16. Juli 1943 aus dem Krankenhaus Herzberge in Berlin-Lichtenberg in die Wittenauer Heilstätten im Bezirk Reinickendorf ve.rlegt wurde, hatte sie bis zu ihrer Krankenhausaufnahme bei den 72-jährigen Eltern und ihrer älteren Schwester in einer Zwei-Zimmer-Wohnung im Glambeckerweg 27 in Berlin-Hermsdorf gelebt. Der Vater war Schuster, die vier Brüder wurden als „hochgelernt und verheiratet“ beschrieben, die ledige Schwester war Fürsorgerin und Stenotypistin. Frieda Rybski hatte die Volksschule nur bis zur zweiten Klasse absolviert (die erste Klasse war damals die Abgangsklasse), ein Jahr Putzmacherin gelernt und war als Buchbinderin tätig gewesen; zuletzt arbeitete sie in Fabriken. Zu ihrer letzten Arbeitsstelle in einer Borsigwalder Maschinenfabrik war sie dienstverpflichtet worden.

Bis auf die „sehr nervöse“ Mutter wird die Familie als gesundheitlich unauffällig beschrieben. Für Frieda Rybski selbst ergibt sich aus der Krankheitsgeschichte der Klinik Herzberge ein anderes Bild: Ein Ohnmachtsanfall in der Jugend, eine Fehlgeburt mit 24 Jahren sowie in den letzten zwei Jahren weitere Ohnmachtsanfälle zu Hause, auf der Bahn und in der Fabrik. Die Folgen seien „ein Abmagern in Schulter- und Rückenpartie“, Schmerzen im Rücken und unterhalb des Herzens und ein „Gefühl der Schwere im Körper, als sacke alles nach unten weg“ gewesen. In diesem Zustand ließ sich ein schwerer Arbeitsalltag in der Fabrik sicher kaum ertragen. Frau Rybski äußerte laut Befund vom 28. April 1943: „Man solle einen Menschen eben nicht in eine Arbeit zwingen, sondern eine Arbeit geben, die ihm auch Freude macht.“
Die Diagnose in Herzberge lautete: „Klimakterische Psychose“; darüber hinaus wurde vermerkt: „Depressive Grundstimmung. Abweisend. Versuchte wiederholt sich zu entfernen.“ Am 16. Juli 1943 wurde Frieda Rybski aus dem Allgemeinen Krankenhaus Herzberge in die Heil- und Pflegeanstalt Wittenau verlegt.

Die dortigen Aufzeichnungen über sie betonen vor allem eine permanente Arbeitsablehnung und mehrfach geäußerte Fluchtabsichten. Frieda Rybski litt sicher unter dem Anstaltsumfeld im Haus 3, die Protokolle erwähnen Äußerungen wie: „Werde ich denn hier als Kranke angesehen oder als Kriegsgefangene; […] schimpft zeitweise heftig, besonders über das Essen; […] die vielen Frauen machen sie ganz wahnsinnig.“
Zur psychischen Situation werden optische und akustische Halluzinationen genannt und die Psychose fortgeschrieben. Der geringe Bildungsstand in Verbindung mit einem „initiativlosen, […] albernen Eindruck […] ohne eigentliche Einstellung zu dem, was sie umgibt und was mit ihr geschah“, wird in den Vordergrund gerückt. Als Gesamtbild entsteht der Eindruck eines debilen Zustandes.

Mit der am 14. September 1943 in der Akte festgehaltenen Verlegungsabsicht nach Obrawalde ist das weitere Schicksal von Frieda Rybski festgeschrieben. Auch der auf Betreiben der Angehörigen bewilligte einwöchige „Urlaub“ im Dezember 1943 verschlimmerte durch Bombenkriegserlebnisse ihren Zustand nur weiter. Am 8. Dezember desselben Jahres wurde Frieda Rybski nach Obrawalde verlegt; am 23. März 1944 starb sie in der dortigen Anstalt wahrscheinlich an den Folgen einer Überdosierung von Beruhigungsmitteln.

Die Biografie wurde von Joachim Richter-Geißler erarbeitet.

Assoziationen

Assoziationen
As­so­zi­a­tive Beziehungen und Verknüpfungen

Alle Opfer der NS-"Euthanasie"-Verbrechen haben ihre Individualität. Manche wurden jedoch aus ähnlichen Motiven verfolgt, einige teilten zum Beispiel Gewaltererfahrungen in ihren zwischenmenschlichen Beziehungen. Andere wiederum wurden doppelt sigmatisiert: Weil sie als psychisch krank und behindert galten und als homosexuell und jüdisch definiert wurden.
Diesen Verknüpfungen versuchen wir mit "Assoziationen" nachzugehen. Sie ermöglichen es auch, geographische Beziehungen in unserer Datenbank zu recherchieren. Sie können also erforschen, wer am selben Ort oder Region lebte, wer in der selben Anstalt lebte und ermordet wurde.

Label for topic field associations

These links will lead you to filtered search pages of victim biographies

Agitations
Tags (keywords)

Biographies connected to ‚Frieda Rybski‘

Biografien korrigieren

Sie haben mehr Informationen oder Anmerkungen zu 'Frieda Rybski'?

Bitte helfen Sie uns bei der Vervollständigung der Biografie von 'Frieda Rybski'. Wenn Sie mehr wissen, Bild- oder anderes Material haben, würden wir uns sehr freuen, mit Ihnen in Kontakt zu kommen.

Eine Seite des Gedenkbuches in der Gedenkstätte Grafeneck

Bereits während der Schreckensherrschaft des NS-Regimes wurden viele Dokumente vernichtet. Nach 1945 herrschte lange ein Klima des Schweigens und Verdrängens. Wir wollen dazu beitragen, die Opfer wieder sichtbar zu machen. Dabei sind wir auf Ihre Unterstützung angewiesen.

Hervorgehobene Biografien

Neueste und hervorgehobene Biografien von Opfern

Die Sammlung von Opferbiographien begann im Jahr 2010 und wächst seither stetig. Hier sehen Sie Biografien, die kürzlich hinzugefügt wurden und solche, die aus Anlass eines Jahrestages oder Ereignisses hervorgehoben wurden. Angehörige und Erinnerungsinitiativen haben sie uns zur Verfügung gestellt. 

Quick search
Quick search for biographies by name
Quick search biographies and place