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Opferbiographie: Hermann Engel, Foto aus Pass
Victims biography
Hermann Engel
18641945

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Hermann Engel
Syndikus from Hamburg (Hamburg)

b. 07/17/1864 in Hamburg (Hamburg)
d. 03/14/1945 in Starogard Gdański (Pomorskie)

»Auf Grund seiner ganzen psychopathisch querulatorischen Veranlagung bedeutet er einen Unruheherd unter den Bombengeschädigten.«
Von Dietmar Schulze

Hermann Engel, ein am 17. Juli 1864 in Hamburg-Ottensen geborener früherer Syndikus, wurde nach der schweren Zerstörung Hamburgs durch britische und amerikanische Luftangriffe im Sommer 1943 gemeinsam mit seiner Frau als Bombengeschädigter nach Bromberg [Bydgoszcz] (Reichsgau Danzig-Westpreußen) evakuiert. Dort fand das Ehepaar zusammen mit weiteren Hamburger Bombengeschädigten Aufnahme in einem Altenheim. Der pensionierte Jurist machte sich im Heim zum Fürsprecher seiner Hamburger Schicksalsgenossen und stand schon bald bei der Heimleitung und den Bromberger Behörden im Ruf ein »querulierender Psychopath« zu sein. Nach dem Tod seiner Ehefrau im März 1944, die offenbar mäßigenden Einfluss gehabt hatte, eskalierten die Konflikte mit der Heimleitung. Engel wurde daraufhin in einem Haushalt von zwei alleinstehenden Frauen untergebracht. Diesen gegenüber bekundete er jedoch ein respektloses Verhalten und fügte sich nicht in die neuen Verhältnisse, wie es in einer kurzen Notiz heißt. Aufgrund eines amtsärztlichen Zeugnisses verfügte der Bromberger Polizeipräsident am 2. September 1944 schließlich seine Aufnahme in einer Heil- und Pflegeanstalt wegen »seniler Demenz«.

Biography created on 12/14/2019, last update on 12/20/2019

In Begleitung eines Pflegers traf Hermann Engel am 4. September 1944 in der Heil- und Pflegeanstalt Konradstein ein. Laut Eintrag im Krankenblatt verhielt er sich während der Aufnahmeuntersuchung ruhig und geordnet; bereits am Folgetag drängte er jedoch auf seine Entlassung und leugnete, jemals mit seiner Umgebung in Streit geraten zu sein. In den folgenden Wochen findet sich wiederholt die Eintragung, dass der mittlerweile 80 Jahre alte Mann »mit Eifer« auf seine Entlassung dränge und viele Briefe in dieser Angelegenheit schriebe. Einer seiner Korrespondenzpartner war ein Hamburger Bekannter, der sich auch bereit erklärte, die Vormundschaft zu übernehmen. Dieser Bekannte schrieb mehrmals an die Anstaltsleitung, um sich nach den Umständen der Einlieferung Hermann Engels in die Heil- und Pflegeanstalt zu erkundigen und nachzufragen, ob der Aufenthalt in Konradstein von Dauer sei.

Foto von Hermann Engel aus seinem Pass, 1927. Archiwum Państwowe Gdańsk, Oddział w Gdyni 2830 Nr. 2067.

Zudem kündigte er seinen Besuch in Konradstein an und bat um eine Besuchserlaubnis außerhalb der offiziellen Besuchszeiten, da »die Zugverbindungen von Hamburg denkbar schlecht« seien. Ob er Engel tatsächlich besuchte, geht aus den Unterlagen nicht hervor. Ebenfalls unklar sind die Umstände des Todes von Hermann Engel. Der letzte Eintrag im Krankenblatt vom 5. Februar 1945 lautet: »Patient verhält sich ruhig. Oft sehr schläfrig. Ist sauber.« Eine handschriftliche Notiz in polnischer Sprache auf dem Deckel der Patientenakte datiert den Tod Hermann Engels auf den 14. März 1945.1

  1. Archiwum Państwowe Gdańsk, Oddział w Gdyni 2830 Nr. 2067.
Assoziationen

Assoziationen
As­so­zi­a­tive Beziehungen und Verknüpfungen

Alle Opfer der NS-"Euthanasie"-Verbrechen haben ihre Individualität. Manche wurden jedoch aus ähnlichen Motiven verfolgt, einige teilten zum Beispiel Gewaltererfahrungen in ihren zwischenmenschlichen Beziehungen. Andere wiederum wurden doppelt sigmatisiert: Weil sie als psychisch krank und behindert galten und als homosexuell und jüdisch definiert wurden.
Diesen Verknüpfungen versuchen wir mit "Assoziationen" nachzugehen. Sie ermöglichen es auch, geographische Beziehungen in unserer Datenbank zu recherchieren. Sie können also erforschen, wer am selben Ort oder Region lebte, wer in der selben Anstalt lebte und ermordet wurde.

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