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Historischer Ort: Denkmal der Grauen Busse, Porträt 2
Victims biography
Walburga Kessler
19181944

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Walburga Kessler
from Burgberg im Allgäu (Bayern) (katholisch)

b. 10/09/1918 in Burgberg im Allgäu (Bayern)
d. 07/31/1944 in Irsee (Bayern)

Familienforschung und Aufdeckung
Von Matt Kessler

Seit meiner Recherche 1999 bis heute im Jahr 2015, fand ich mir unbekannte Dokumente bzw. erhielt Einblick in ärztliche Unterlagen über eine Person, eines Familienmitglieds, eines Menschen. Es wird berichtet über meine Urgroßtante ''Wally'' Keßler. Ich bin eher zufällig auf das Schicksal meiner Urgroßtante Walburga Keßler gestoßen, da ich seit dem Jahr 1999 Ahnen-Familienforschung betreibe.  So war mit all den mitgebrachten Familiengeschichten auch bekannt, dass es da ein Mädchen gab,
dass in einem Heim in Oberlochau bei Bregenz lebte, dass dieses Mädchen als kleines Kind von ihrer Mutter immer getragen werden musste und meine Großmutter Inge (Jahrgang 1930) ihre Tante auch in Kindheitstagen in Lochau besucht hatte.

Biography created on 02/01/2018, last update on 09/16/2019

Auf der Suche nach Geschwistern meiner Vorfahren und Vorfahrinnen in Burgberg und Sonthofen stiess ich auf eine Walburga Keßler , die dieses besagte Mädchen war. Es war nun nicht mehr nur eine Erzählung, sondern es bekam langsam ein Gesicht, in welches ich auch bald blicken konnte.  Ich erhielt vier Photos, welche in der Heil-und Pflegeanstalt Kaufbeuren-Irsee aufgenommen wurden.

Gleichzeitig sind es so erschütternde Bilder, dass zum Schutz diese Aufnahmen nicht öffentlich gemacht werden.

Wie Walburga als Schwester und Tochter ihr Familienleben erlebte, ist leider nicht mehr überliefert. Jedoch kann ich bestätigen, dass sie eine schöne junge Frau war: schlank, braune Augen, dunkelblond, ganz ihre Mutter. Sie lachte, weinte und sie war neugierig. Sie war ein lebendiger Mensch. Ich wußte, dass Wallys und meine Vorfahren Keßler aus dem Kleinwalsertal stammen und seit Jahrhunderten dort lebten (eingewanderte Walser um 1280-1320 aus dem Kanton Wallis, Schweiz nach Vorarlberg in Österreich).  Erst durch die Erforschung meiner Familie begann alles. Mein  Großvater stammt aus South Carolina,USA und war von 1946 bis 1948 in Sonthofen (Allgäu) auf der ehemaligen Ordensburg Sonthofen, die während des Nazianalsozialismus gebaut wurde, stationiert. (US Army Constabulary School). Er lernte meine Großmutter Inge,  geborene Kessler, am alten Bahnhof in Sonthofen kennen.

Die Familie

Meine 4-mal Urgroßeltern Joachim Keßler und seine Frau Maria Barbara Schugg kamen um 1867 mit ihren 11 Kindern aus Riezlern , Kleinwalsertal, Österreich-Ungarn nach Sonthofen im Allgäu, Königreich Bayern. Unter den zahlreichen Kindern war mein Urururgroßvater Franz Leopold Keßler, geboren 1855 in Riezlern. Leopold Keßler heiratete in Sonthofen und lebte bis zu seinem Tod 1934 in Sonthofen. Sein Sohn Adolf Keßler, der 1884 in Sonthofen geboren wurde, heiratete 1908 die aus Burgberg (Allgäu) Krs. Sonthofen stammende Julianna ''Julie'' Schmid. So versuchte ich der Familien-geschichte auf den Grund zu gehen, ohne zu wissen, wohin mich das führt und welches Schicksal ich hier aufdecke.

Geburtstag

Burgberg im Allgäu, ein am Grünten, einem 1738 Meter hohen Bergrücken gelegenes Dorf. Es ist gegen Ende des 1. Weltkriegs im Jahr 1918, Mittwoch der 09.Oktober als um ½ 6 Uhr (im Geburtseintrag wird 7 Uhr Nachmittags angegeben) Julie Keßler geb.Schmid mit Unterstützung der Hebamme Theresia Moosbrugger im Haus Nr. 32 ( heute Alt-Bgm.- Köberle-Str. 2) ein Mädchen zur Welt bringt.

Burgberg im Allgäu, 1922.

Walburga ist das vierte Kind des Ehepaares Adolf und Julianna Keßler und der 14. Eintrag im Geburtenbuch, welches in Burgberg geboren wird und am 10. Oktober 1918 im Standesamt Burgberg, Bezirksamt Sonthofen dem Standesbeamten Haberstock, gemeldet wird. 

Auch wird gleich am 10. Oktober das neugeborene Familienmitglied in der Kath. St. Ulrich Kirche in Burgberg getauft und erhält nach ihrer Großmutter den Vornamen Walburga. In den Jahren 1909 bis 1913 wurden ihre Geschwister Rosa, Katharina und Leopold geboren. Nach Walburga werden zwischen 1919 und 1921 noch zwei weitere Geschwister, Josef und Julianna, geboren. Die Familie Keßler wohnte direkt im Ortskern nicht unweit der Kirche (quasi nebenan) , die den Mittelpunkt des Ortes prägt. Am 12. Mai 1919 wird Walburga zum ''ersten Male mit Erfolg'' geimpft. Durch die Impfung ist der gesetzlichen Pflicht genügt .

Auch wird gleich am 10. Oktober das neugeborene Familienmitglied in der Kath. St. Ulrich Kirche in Burgberg getauft und erhält nach ihrer Großmutter den Vornamen Walburga. In den Jahren 1909 bis 1913 wurden ihre Geschwister Rosa, Katharina und Leopold geboren. Nach Walburga werden zwischen 1919 und 1921 noch zwei weitere Geschwister, Josef und Julianna, geboren. Die Familie Keßler wohnte direkt im Ortskern nicht unweit der Kirche (quasi nebenan) , die den Mittelpunkt des Ortes prägt. Am 12. Mai 1919 wird Walburga zum ''ersten Male mit Erfolg'' geimpft. Durch die Impfung ist der gesetzlichen Pflicht genügt .

Aus den Jahren 1919 bis 1928/1929 sind keine Dokumente überliefert, außer dass das Nesthäkchen Julianna Keßler, die 1921 geboren wurde, nur ein Jahr später verstarb.

Familie Keßler. Die Mutter mit den drei ältesten Kinder ohne Walburga (Mitte: Mutter Julie Keßler geb. Schmid, li.Rosa Keßler , re. Katharina Keßler, mi. Leopold Keßler)

Zehn Jahre nach dem 1. Weltkrieg

Die Mutter von Walburga, Julie Keßler, stirbt mit 44 Jahren am 12.02.1928 im Krankenhaus in Sonthofen (Sterebeeintrag , Anzeigender war Krankenhausverwaltung Sonthofen). Somit ein großer Verlust für die ganze Familie, da sie sich, wie zu jener Zeit üblich, um die Kindererziehung kümmerte sowie um die Pflege von Walburga. Ihre Kinder waren zu diesem Zeitpunkt: Rosa 19, Katharina 16 (fast 17), Leopold 14 (fast 15), Walburga 9 Jahre (sie wurde im Oktober 1928 erst 10), Josef 8 (fast 9). In den Aufzeichnungen ab 1929 ist überliefert, dass Adolf Keßler , nun Witwer, sich und seine Kinder, darunter seine Tochter Walburga, in Mittelberg , Österreich anmeldete. In einer sogenannten ''Heimatrolle der Gemeinde Mittelberg/ Kleines Walsertal'', ist die Familie aufgeführt. Bis 1938 hatten alle Familienangehörige, darunter auch meine Großmutter Inge A. geborene Keßler, die österreichische Staatsangehörigkeit. Im eigenen Heimatschein von Walburga Keßler vom 3. Januar 1929 wird bestätigt, dass sie nach österreichischem Recht Heimatrecht hat.

Nun folgte die Einweisung in das ''Jesuheim'', eine Pflegeanstalt für Unheilbare in Lochau bei Bregenz in Vorarlberg. Hier ist Walburga im Einwohnerbuch verzeichnet. Ihre Anmeldung (Eintritt) war der 07.01.1929 und der Austritt am 27.2.41 ( Nr. 30). Walburga war elf Jahre alt, als sie im Jesuheim eintraf. Hier finden sich keine Unterlagen aus den Jahren 1929 bis 1937.

Die Pflegeanstalt Jesu-Heim Oberlochau bei Bregenz. Quelle: Vorarlberger Landesbibliothek, http://vlb-browser.vorarlberg.at/?itemid=|vorarlberger-marc|MED01+000384337

1938 wurde Österreich ins deutsche Reich eingegliedert und wurde zur Ostmark unbenannt und das Kleinwalsertal kam zum Bezirk Sonthofen bzw. oft wird in den Dokumenten vom Gau Tirol -Vorarlberg gesprochen.

Am 23.12.1938 folgt vom Landesfürsorgeverband Augsburg ein Schreiben an die ''Anstalt für Unheilbare'' -Jesuheim- Oberlochau Vorarlberg, das im Folgenden wiedergegeben wird.

Landesfürsorgeverband Schwaben
(Kreisfürsorgeausschuß)
Unsere Akten-Nr.: Beilagen:
3435

An
die Anstalt für Unheilbare
-Jesuheim-
Oberlochau
Vorarlberg
Augsburg, den 23.12.1938
Betreff: Anstalstversorgung für K e s s l e r Walburga, geb. 9.10.1918 in Burgberg
FW. Mittelberg BezA. Sonthofen
Gruppe: Kb. Kh Soz.R. Kl.R. Armenfürsorge
Art.6 Abs. I Ziff.1 / Art.6 Abs. I Ziff.2 / Art. 6 Abs. IV FürsG.
Wir übernehmen die Fürsorge mit Wirkung vom 15.10.1938, dem Tage der Zuteilung der gemeinde Mittelberg zum Bezirk Sonthofen......


Auch ein Meldeschein von Walburga ist in Lochau zu finden:


Name: K E S S L E R Walburga
Beruf: Pflegling
Geb.-Datum: 9.10.1918
Geburtsort: Burgberg
Familienstand:ledig
Staatsangehörigkeit: Österreich
Rel.-Bek.: r. k.
Zugezogen: am 7.2.29
Hiesige Wohnung Anschrift: Lochau Nr: 74 bei: Jesuheim
Fortgezogen am: 27.2.41 nach: Valduna

Bevor ich den Meldeschein fand, war nicht bekannt, wohin Walburga Keßler am 27.2.1941 gebracht wurde, da alle Unterlagen aus dem Jesuheim mitgenommen wurden bzw. kein weiterer Vermerk im Bewohnerbuch des Jesuheim war.

In der Abschrift des Dokumentes ''Der Landrat des Kreises Bregenz (Gesundheitheitsamt),: Amtsärztliches Gutachten sind auf drei Seiten die "I. Persönlichen Verhältnisse, II. Körperliche und Psychischer Befund und III. Gutachten" zu finden. Dieses Gutachten wurde  am 22.2.1941 in Bregenz erstellt.

In dem Dokument mit dem Titel "Amtsärzliches Gutachten zum Zwecke der Feststellung der Eignung von erwachsenen Geisteskranken, Geistesschwachen oder Fallsüchtigen zur Aufnahme in eine Heil= und Pflegeanstalt" wird Walburga als ''Unheilbar'' eingestuft.

"Ist Anstaltspflege notwendig? Aus welchen Gründen? Wegen Idiotie ständige Beobachtung. Vorschlag über die zu wählende Anstalt: Gau Heil und Pflegeanstalt Valduna"

Hier findet sich dann die Akte (zwei Seiten) aus der Gau-Heil- und Pflegeanstalt Valduna in Rankweil, Reichsgau Tirol-Vorarlberg. Walburga wurde am 27.2.1941 aufgenommen und entlassen am 24.3.1941, Aus der Akte: "Diagnose 1 a Zustandsbild Taub-Stumme Idiotin
24-3. Nach Hall überstellt."

Landesirrenanstalt Valduna in Rankweil, Anfang 20. Jahrhundert.

Hierzu wird vom Landesfürsorgeverband Schwaben in Augsburg ein Schreiben an die Heilanstalt gesendet:

"Landesfürsorgeverband Schwaben
Anschrift: Augsburg 1, Postfach Regierungspräsident
Fernruf: Nummer 5842
Zahlstelle: Regierungshauptkasse Augsburg
Postscheckkonto: München Nummer 1624
An
die Direktion der Wohltätigkeitsanstalt
V a ld u n a
bei Rankweil,
Vorarlberg.
Zeichen: Ihr Schreiben vom: Unser Zeichen 3445. Augsburg, den 13.3.41.
Betreff: Anstaltsversorgung für Kessler Walburga, geb. 9.10.1918 in
Burgberg; FW. Mittelberg. ( geistesschwach, taubstumm, krüppelhaft)
Die Kessler Walburga, für welche wir die Kosten zu tragen haben, wurde am 27.2.41 aus der Anstalt Lochau-Bregenz in Ihre Anstalt verlegt. Wir ersuchen mitzuteilen , welche Pflegekosten wir zu zahlen haben. Die K. werden wir voraussichtlich in die Heilanstalt Kaufbeuren verlegen."

Die Antwort der Anstalt in Valduna an den Landesfürsorgeverband mit einem entsetzlichen Detail:


"24.März 1941
An den
Landesfürsorgeverband Schwaben,
A u g s b u r g 1
Für die Dauer des hiesigen Aufenthaltes ist für Kessler Walburga der Verpflegesatz von RM 3.-- zu zahlen. Gleichzeitig teilen wir Ihnen mit , daß die Kranke im Zuge der etappenweisen Räumung der Anstalt heute in die Heil- und Pflegeanstalt Solbad Hall, Tirol verlegt wurde.
Der Direktor:
(Dr. Josef Vonbun).

Die Aufnahme in Hall erfolgte am 24. März 1941. Hier ist zu lesen:

"Serum: negativ
Landes= Heil= und Pflege= Anstalt, Hall, Tirol.
Name: K E S S L E R Walburga
Geburtsort: Burgberg Kreis Sonthofen Beruf: Pflegling
Wohnort: Oberlochau, Jesuheim Alter: geb. 9.10.1918
Heimatsort: Mittelberg Religion: röm.kath.
Bezirk: Bregenz Stand: ledig
Aufnahme am: 24. März 1941 Abgang am 22.April 1941 als überstellt Anstalt Kaufbeuren
Diagnose: Idiotie, taubstumm-
Zustandsbild: pflege- u. Hilfsbedürftig- nicht besserungsfähigErbliche
Belastung: angebl. unbek."

Hier folgt dann die Krankengeschichte, dann der letzte Eintrag der Anstalt:

"22.4.41: Die Kr. wird heute in die Heil- u. Pflegeanstalt nach Kaufbeuren überstellt (über Auftrag des Ld. Fürsorgeverbandes Schwaben). Die Kr. war bettlägrig, verheilt sich ruhig, benötigte keinerlei Medikamente, war vollkommen pflege-und hilfsbedürftig. Wenn Kr. den Arzt oder jemanden vom Personal in ihre Nähe kommen sah, lachte Kr. freudig , gab z.B. zu verstehen, wenn sie beim Essen genug hatte, freute sich, wenn man sich mit ihr etwas abgab. Weinte beim Verlassen der Anstalt, schien doch zu erfassen, dass sie von hier weg kommt."

Innerhalb von nur ein paar Wochen bzw 2 Monaten wird Walburga wieder verlegt , diesmal das letzte mal nach Kaufbeuren bzw. nach Irsee.

"Heil= u. Pflegeanstalt Kaufbeuren
Krankengeschichte
der K e s s l e r Walburga
geboren am 9.10.1918 in Burgberg
Wohnort Mittelberg
Landrat Sonthofen
Letzter Aufenthalt Heil-und Pflegeanstalt Solbad Hall/ /Tirol
( vorher angegebener Ort wurde gestrichen: Valduna bei Rankweil, Vorarlberg)
Beruf o.B.
Familienstand, ledig, verheiratet, verwitwet, geschieden
Religion r,katholisch
Adresse der nächsten Angehörigen ( bezw. des gestzl. Vertreters)
keine."


Hierzu möchte ich vermerken, dass der gesetzliche Vertreter und nächste Angehörige  vorhanden waren: Adolf Keßler in Burgberg (Vater von Walburga) sowie Angehörige , Geschwister : Rosa, Katharina, Leopold, Josef in Burgberg bzw. Sonthofen.  Am 25. April 1941 wird von der Heil- und Pflegeanstalt Kaufbeuren an den Bürgermeister von
Mittelberg b/ Sonthofen als Aufnahmebeleg ein ortspolizeiliches Zeugnis erbeten


Auf der Rückseite erfolgt die Antwort (Nr. 808) "Mit 1 Beilagezurück. Die Erstellung eines ortspolizeilichen Zeugnisses ist uns leider nicht möglich. Kessler war hierorts noch nicht wohnhaft, Ihre Eltern waren in frühen Jahren einmal hier sesshaft und hatten auch das Heimatrecht in hiesiger Gemeinde nach österreichischem Recht erworben. Wohnhaft waren sie in Burgberg bei Sonthofen, wo sie vielleicht heute noch wohnhaft sind. Nachdem für die Ostmark nunmehr auch die RFV Gültigkeit hat........'' Mittelberg, den 6. IV . 1941
Der Bügermeister:
(Unterschrift) G. Kessler"

Das Ortspolizeiliche Zeugnis erfolgt jedoch am 14.Mai 1941 aus Burgberg in Vetretung des Bürgermeisters: Köberle. Im selben Jahr, am 15. November 1941, erhält die Heil-und Pflegeanstalt Kaufbeuren eine Anfrage von Rosa Kitzinger geb. Keßler nach ihrer Schwester Walburga:

"Sonthofen, 15. Nov. 1941
Verwaltung der Heil u. Pflegeanstalt! Unterzeichnete bittet obige Verwaltung höflichst um folgende Auskunft. Befindet sich in Ihrem Betreuungskreis ein Pflegling namens Wally Keßler ? (Selbige wäre von Lochau bei Bregenz zu Ihnen gekommen.) Im bejahten Falle, bitte Ich um gefällige Zuschrift, ob, man selbige besuchen darf o. kann. Ferner wenn in Ihrem Bereich die Besuchszeiten festgesetzt sind. Zur gefälligen Beantwortung liegt Briefmarke bei. Ich selber bin die Schwester, von dem genannten Pflegling. In der Hoffnung keine Fehlbitte getan zu haben.
gezeichnet
Heil Hitler.
Rosa Kitzinger . ( geb. Keßler)
Sonthofen /Allgäu"

Antwort :

"1034
18.November 1941.
Frau Rosa Kitzinger
Sonthofen/Allg.
Ostrachstr.41
Sehr geehrte Frau Kitzinger!
Auf die Anfrage vom 17.11. teile ich Ihnen mit, dass sich Ihre Schwester Walburga K e s s l e r seit 22.4.41 in der Abteilung Irsee der hiesigen Anstalt befindet, Sie können Ihre Schwester hier jederzeit besuchen. Bahnstation ist Leinau.
Heil Hitler !
( Stempel)
Dr. med. Lothar Gaertner"

Zu der Krankengeschichte, die in der Heil- u. Pflegeanstalt Kaufbeuren aufgezeichnet wurde, sind Schreiben auch wieder von dem Landesfürsorgeverband Schwaben enthalten. Laut Krankenblatt wurde Walburga am 2.9.1941 nach Irsee verlegt. Am Anfang wurden regelmässige Einträge gemacht, bis zur Verlegung nach Irsee, später unregelmässig: Für die Jahre 1942 und 1943 gab es jeweils einen Eintrag.  Ab dem 9.6.1944 bis zum 31.7.44 finden sich zwei Einträge. Alle handschriftlichen Einträge (15.10.41, 20.7.42, 29.4.43) sind mit einem G. gezeichnet. (Dies ist die Handschrift von Dr. Gärtner) , die anderen Einträge sind von einem W. Der letzte Eintrag am 31.7.1944 ist mit einem Kreuzeichen versehen mit den letzten Worten:
"...Der Tod erfolgte an Herzinsuffizienz."

Aus der Gewichtsliste ist festzustellen, dass Walburga die E-Kost erhielt:

"Gewichtsliste
für den Kranken Kessler Walburga
Jahr 1944 Juli kg 27 1/2
Juli kg (Kreuzzeichen) d. 31.7.44 18 Uhr
Fieberkurve ( Blatt 1, Juli & Blatt 2, Juli u. Aug. )"

Am 31.7. 1944 gingen 2 Telegramme an den Vater von Walburga:

1. Telegramm:
T e l e g r a m m :
----------------------
Adolf K e s s l e r B u r g b e r g, Hs.Nr.46
------------------------------
Walburga lebensgefährlich erkrankt.
Besuch kann wegen Infektionsgefahr nicht gestattet werden.
Anstalt Irsee.
31.7.1944
17.15 Uhr Schropp

2. Telegramm:
T e l e g r a m m :
----------------------
Adolf K e s s l e r B u r g b e r g, Hs.Nr.46
------------------------------
Kreis Sonthofen
Walburga gestorben. Bererdigung wegen Ansteckungsgefahr ( vorherige Worte gestrichen: 3.8.1944 13 Uhr in Irsee) 1. August 9 Uhr in Irsee
Anstalt Irsee. 31.7.1944 19.30 Uhr Schropp.

Der Leichenschauschein wurde von Dr. Gärtner der Anstalt Irsee gezeichnet.

Auf der Akte von Walburga in Kaufbeuren in Handschrift:
"Kessler Walburga
Mittelberg B. A. Sonthofen
22/4.41 Zugag. v. Hall (Tirol)
31.7.44 handschriftliches ''rotes Runenzeichen'' (Bedeutung: Exitus)
Kessler Walburga 12077"

Der Tag an dem Walburga Kessler in der Heil-und Pflegeanstalt Irsee sterben musste, war ein Montag.

Während meiner Forschung stieß ich erst kürzlich auch auf eine Dokumentation ''Alles Kranke ist Last'' von Ernst Klee und Gunnar Petry aus dem Jahr 1988 über die ''Vernichtung unwerten Lebens'' im Dritten Reich. Hier werden Originalfilmaufnahmen der Tötungsanstalten gezeigt. Es sind auch Filmaufnahmen in der Heil-und Pflegeanstalt Kaufbeuren- Irsee in der Dokumentation zu sehen. Der sollte letztlich die Krankenmorde rechtfertigen, wurde aber nie veröffentlichet. Die Aufnahmen aus Irsee sind aus dem Jahr 1940 sowie 1941.

Film von Ernst Klee und Gunnar Petrich, Hessischer Rundfunk 1988. "Alles Kranke ist Last" thematisiert die Verwobenheit der Kirchen in die NS-"Euthanasie"-Verbrechen.

Walburga Kessler wurde im September 1941 von der Heil-und Pflegeanstalt Kaufbeuren in die Zweigstelle Irsee verlegt. So konnte ich Filmausschnitte dem Jahr 1941 zuordnen, da Walburga ebenfalls zu erkennen ist.

Der Gedenkstein in Kaufbeuren erinnert an die Opfer der NS-"Euthanasie"-Verbrechen vor Ort.
Gedenkstein in Kaufbeuren mit dem eingravierten, abgekürzten Namen von Walburga Kessler.

Am 21. März 2014 wurde, (hier bin ich den Bezirkskliniken Schwaben BKH Kaufbeuren Herrn PD. Dr. A. Putzhammer und Frau A. Weigl-Gosse - Pastoralreferentin Kath. Seelsorge Bezirkskliniken Schwaben BKH Kaufbeuren, sehr dankbar ) nachträglich in den  bereits stehenden Gedenkstein für die über 2000 Euthanasie Opfer in Kaufbeuren und Irsee der Name meiner Urgroßtante Walburga Kessler eingraviert : ''Walburga K. 1918-1944'' Der Gedenkstein befindet sich auf dem Gelände des Bezirkskrankenhaus (BKH) Kaufbeuren.

Am 01.07.2014 wurde ein Stolperstein an Ihrem Geburtshaus in Burgberg (Allgäu) gelegt.

Die Aufschrift lautet: HIER GEBOREN WALBURGA KESSLER
JG. 1918 UNTERGEBRACHT IN VERSCHIEDENEN HEIMEN/HEILANSTALTEN 'VERLEGT' HEILANSTALT IRSEE ERMORDET 31.7.1944

Der Stolperstein für Walburga Kessler wurde am 1. Juli 2014 in der Alt-Bgm.-Köberle-Str. 2 in Burgberg im Allgäu am Wohnort ihrer Familie verlegt. Foto: Matt Kessler.

Am 14.09.2015 wurde ein weiterer Stolperstein für Walburga am Kloster Irsee (ehemals Heil-und Pflegeanstalt Irsee) gelegt . (Hier danke ich Herrn Dr. S. Raueiser) und für die Hilfe und Einsicht der Akte von Walburga Kessler , danke ich Frau P. Schweizer- Martinschek (Historikerin) Bezirkskrankenhaus (BKH) Kaufbeuren sowie Herrn Gunter Demnig.

Der Stolperstein für Walburga Kessler wurde an ihrem Sterbeort, der Anstalt Irsee, am 14. 9. 2015 verlegt. Er trägt die Aufschrift: HIER LEBTE WALBURGA KESSLER JG. 1918 'EINGEWIESEN 22.4.1941' ANSTALT KAUFBEUREN-IRSEE ERMORDET 31.7.1944. Foto: Matt Kessler.

Fotos, erforscht und zusammengestellt © Matt Kessler, Urgroßneffe

Assoziationen

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As­so­zi­a­tive Beziehungen und Verknüpfungen

Alle Opfer der NS-"Euthanasie"-Verbrechen haben ihre Individualität. Manche wurden jedoch aus ähnlichen Motiven verfolgt, einige teilten zum Beispiel Gewaltererfahrungen in ihren zwischenmenschlichen Beziehungen. Andere wiederum wurden doppelt sigmatisiert: Weil sie als psychisch krank und behindert galten und als homosexuell und jüdisch definiert wurden.
Diesen Verknüpfungen versuchen wir mit "Assoziationen" nachzugehen. Sie ermöglichen es auch, geographische Beziehungen in unserer Datenbank zu recherchieren. Sie können also erforschen, wer am selben Ort oder Region lebte, wer in der selben Anstalt lebte und ermordet wurde.

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Die Sammlung von Opferbiographien begann im Jahr 2010 und wächst seither stetig. Hier sehen Sie Biografien, die kürzlich hinzugefügt wurden und solche, die aus Anlass eines Jahrestages oder Ereignisses hervorgehoben wurden. Angehörige und Erinnerungsinitiativen haben sie uns zur Verfügung gestellt. 

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