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Opferbiobgraphie: Frieda Goehre, Porträtfoto
Victims biography
Frieda Göhre
19031940

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Frieda Göhre (b. Tölzing)
Schneiderin from Halle (Sachsen-Anhalt)

b. 11/20/1903 in Halle (Sachsen-Anhalt)
d. 12/06/1940 in Bernburg (Sachsen-Anhalt)

Frieda Tölzing, geboren am 20.November 1903 in Halle, ist klein und zart gebaut. Infolge einer Lungenerkrankung lernt sie etwas später als normal laufen und sprechen und wird auch ein Jahr später als gewöhnlich eingeschult. Die Eltern schildern ihren Charakter als schon immer "ernst und besinnlich". Sie ist eine gute Schülerin und erlernt nach dem Schulabschluss die Damenschneiderei. 1931 heiratet sie in Halle den Schlosser Otto Göhre und schenkt einem Kind das Leben.
Nach dem Tod des Vaters heiratet die Mutter erneut und trägt fortan den Namen Sickert, was später zu fehlerhaften Angaben in den Krankenakten führen wird, wo man Frieda Göhre zeitweise als geb. Sickert bezeichnet.

Biography created on 12/11/2017, last update on 01/24/2018

Im Jahr 1934 verändert sich Friedas Wesen. Sie hört Stimmen, ist erregt und nicht mehr in der Lage, sich selbst und das Kind zu versorgen. Am 3.September 1934 wird sie in die Universitätsnervenklinik Halle eingewiesen und nach kurzem Aufenthalt in der Landesheilanstalt Nietleben im Mai 1935 in die Landesheilanstalt Altscherbitz überwiesen, wo sie die nächsten (und letzten) fünf Jahre ihres Lebens verbringen wird. Diagnose: "Paranoide Schizophrenie mit Erregungszuständen".
Frieda Göhre erhält ruhigstellende Medikamente und muss immer wieder "ins Netz", eine Einrichtung, mit denen Patienten, ihrer Bewegungsfreiheit beraubt, im Bett festgehalten werden - noch heute in Schkeuditz im anstaltseigenen Museum zu besichtigen.

1936 beantragt Friedas Ehemann die Annullierung der Ehe und der behandelnde Abteilungsarzt erstellt für das Landgericht Halle ein Gutachten in der "Eheanfechtungssache".
Er kommt zu dem Schluss: "Die Beklagte besaß die krankhafte Erbmasse bereits bei Eingehung ihrer Ehe mit dem Kläger. Die Nachkommen werden zu einem hohen Hundertsatz die gleiche krankhafte Erbmasse erhalten. Ohne weiteres darf angenommen werden, dass der Kläger diese Frau nicht geheiratet hätte, wenn er ihre Veranlagung und deren Folgen für die Nachkommenschaft gekannt hätte…"

Der gleiche Arzt protokolliert in den folgenden Jahren das wechselhafte Verhalten der Patientin, ihre Reaktionen auf die Besuche von Mutter und ehemaliger Schwiegermutter. Im Januar 1940 notiert er: "Seit Anfang des Jahres zugänglich, freundlich, geordnet und arbeitsam." Frieda fertigt Stickereiarbeiten an. Im Juli 1940 beantragt die Mutter "auf mehrfach persönlich und schriftlich geäußerten Wunsch meiner Tochter" ihr "einen Urlaub zu gewähren". Der Arzt lehnt ab: "Das wechselnde aber überwiegend erregte und verkehrte Verhalten gestattet die Beurlaubung Ihrer Tochter vorläufig noch nicht."

Krankenakte
Frieda Göhre (geb. Tölzing)

Die Krankenakte endet mit einem Vermerk in anderer Handschift: "6.12.40. Auf Anordnung in eine unbekannte Anstalt verlegt."

An diesem Tag wird die 37jährige Frieda Göhre nach Bernburg gebracht und in der Tötungskammer der "Heil- und Pflegeanstalt" mit Gas ermordet.

Opferbiobgraphie: Frieda Goehre, Porträtfoto
Foto von Frieda Goehre in Anstaltskleidung, Zeitpunkt der Aufnahme unbekannt.
Assoziationen

Assoziationen
As­so­zi­a­tive Beziehungen und Verknüpfungen

Alle Opfer der NS-"Euthanasie"-Verbrechen haben ihre Individualität. Manche wurden jedoch aus ähnlichen Motiven verfolgt, einige teilten zum Beispiel Gewaltererfahrungen in ihren zwischenmenschlichen Beziehungen. Andere wiederum wurden doppelt sigmatisiert: Weil sie als psychisch krank und behindert galten und als homosexuell und jüdisch definiert wurden.
Diesen Verknüpfungen versuchen wir mit "Assoziationen" nachzugehen. Sie ermöglichen es auch, geographische Beziehungen in unserer Datenbank zu recherchieren. Sie können also erforschen, wer am selben Ort oder Region lebte, wer in der selben Anstalt lebte und ermordet wurde.

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