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Nachruf
06/16/2020, Robert Parzer

Gerhard Baader (1928-2020)

Gerhard Baader (1928-2020)

Von der Erforschung der lateinischen Sprache hin zur Beschäftigung mit den Verbrechen des Nationalsozialismus ist es ein langer Weg - Prof. Gerhard Baader ging ihn und noch viele andere Pfade.

Zu manchen wurde er gezwungen - als rassistisch Verfolgter im Wien der 1940er-Jahre; manche beschritt er fast als Erster. Die Organisation des Berliner Gesundheitstages im Jahr 1980 als Gegenprogramm zum Ärztetag eröffnete Vielen die Möglichkeit, die NS-Euthanasie-Verbrechen und deren intergenerationelles Langzeitwirken zu studieren . Sein Wirken im Arbeitskreis zur Erforschung der nationalsozialistischen Euthanasie und Zwangssterilisation seit den 1980er-Jahren war dann die Verlängerung davon: Alleine seine Präsenz war genug, um zu verstehen, dass wir nicht nur von Dingen reden, die vor langer Zeit passiert waren. 

Unvergessen bleibt eine Episode in Hadamar, als er nach einem Vortrag zur Ermordung jüdischer so genannter Mischlingskinder das Wort ergriff. Die Anwesenden verstanden, dass da jemand sprach, der vor 75 Jahren ermordet worden wäre, wenn er an diesem Ort, und nicht in Wien gewesen wäre. Da es so, und nicht anders kam, konnte er unzählige Studierende, Doktoranden und Kolleg*innen unterstützen, kritisieren und sie an seinem Wissen und seinem großen Herz teilhaben lassen. Nicht umsonst hieß die ihm gewidmete Festschrift "Medizingeschichte und Gesellschaftskritik". Man möchte hinzufügen, dass es ihm mit der Kritik nicht genug war, sein Engagement für syrische Geflüchtete ist nur ein Ausweis seines nie ruhenden Engagements für Andere.

Ruhe in Frieden.

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