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Historischer Ort: Stolperstein für Walburga Kessler, Foto Stolperstein
Stolperstein für Walburga Kessler
Stolperstein für Walburga Kessler

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Stolperstein für Walburga Kessler
Stumbling stone in Irsee

Der Stolperstein für Walburga Kessler wurde an ihrem Sterbeort, der Anstalt Irsee, am 14. 9. 2015 verlegt. Er trägt die Aufschrift: HIER LEBTE WALBURGA KESSLER JG. 1918 'EINGEWIESEN 22.4.1941' ANSTALT KAUFBEUREN-IRSEE ERMORDET 31.7.1944. Foto: Matt Kessler.

Bericht von der Stolpersteinverlegung in Irsee am 14. September 2015.

Stumbling stone

AddressKlosterring 4
87660 IrseeDirections
Opening timeDer Stolperstein ist ganztägig zugänglich.

Rede von Matt Kessler anlässlich der Stolpersteinverlegung

Ansprache von mir bei der Stolpersteinlegung am 14.09.2015


''Hallo mein Name ist Walburga Kessler, ich wurde am 9. Oktober 1918 in Burgberg geboren. Ich hatte einen Vater , eine Mutter und fünf Geschwister. Ich kann nicht hören und ich kann nicht sprechen, ich kann weder laufen noch meine Arme ausstrecken. Mama hat mich immer getragen. In dem Jahr als ich meinen 10. Geburtstag hatte, verstarb meine Mutter plötzlich und so hatte ich und meine Geschwister nur noch den Vater. Mein Vater brachte mich ein Jahr später in ein Heim in Lochau am Bodensee in Österreich.
Als ich das erste mal Tante wurde hat mich auch meine kleine Nichte besucht. Im Winter 1938 kam ein Gemeindearzt , der mich untersuchte. Ich versuchte in anzulächeln. Er sagte, ich sei krüppelhaft, es würde keine Besserung geben und keine Heilung sei möglich, ich sei nicht bildungsfähig. Drei weitere Jahre wohnte ich noch im Heim in Lochau, bis ich im Februar 1941 plötzlich vom Deutschen Roten Kreuz abgeholt und in die Heil-und Pflegeanstalt Valduna bei Rankweil transportiert wurde. Dort untersuchte mich auch noch einmal ein Arzt. Ich lächelte ihn an aber er nannte meinen Zustand Taub-Stumme Idiotin und unheilbar. Einen Monat später wurde ich in die Heil-und Pflegeanstalt Hall in Tirol gebracht. Ich musste im Bett liegen und wenn das Pflegepersonal in meiner Nähe war und sie mit mir Zeit verbrachten zeigte ich ihnen dass ich mich freute und lächelte. Hier mussten aber alle die Anstalt verlassen. Ich weinte weil ich gehen musste. Zwei Pflegerinnen begleiteten mich in die Heil und Pflegeanstalt Kaufbeuren. Auch hier wurde ich nochmals begutachtet, und durfte öfters in den Garten auf dem Anstaltsgelände. Ich fühlte mich gut und zeigte es. Am 2. September 41 wurde ich von Kaufbeuren nach Irsee gebracht. Mir wurde die Kleidung ausgezogen und ich wurde fotografiert. Ich lächelte den Doktor an der mich jetzt begutachtete. Ich zeigte, dass ich ihn verstehe, machte mich so gut ich konnte auf mich aufmerksam, wenn ich Hilfe brauchte. Auch hier wurde gesagt, dass ich viel Pflege brauche, da ich schwersten Defekt habe und meine Arme und Beine schwer spastisch seien.  Die Tage, Monate, Jahre verbrachte ich im Liegen . Ich bekam dann eine speziell dosierte Hungerkost. Davon wurde ich immer schwächer. Ich bekam hohes Fieber. Die Klinik schrieb extra ein Telegram an meinem Vater, dass es mir immer schlechter ging, aber er durfte mich nicht besuchen. Das Jahr 1944 überlebte ich nicht. Als ich am 31.Juli 1944 hier sterben musste, war ich 25 Jahre alt''.

Heute 71 Jahre später legen sie alle mit mir, dem Urgroßneffen, einen Stolperstein für Walburga. Da Walburga jeden freundlich anlächelte, bitte ich Sie nun in Gedenken an Walburga, ihr anstatt einer Schweigeminute ein Lächeln zu schenken.

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