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Opferbiographie: Willy Matthes, Porträt Ausschnitt aus Foto mit Bruder
Victims biography
Willy Ernst Herrmann Matthes
19101940

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Willy Ernst Herrmann Matthes
Maschinenschlosser from Berlin

b. 02/23/1910 in Berlin
d. 04/22/1940 in Brandenburg/Havel (Brandenburg)

Text: Michaela Bogusch

Willy Matthes wurde als erstes Kind seiner Eltern Anna Elisabeth Matthes (Arbeiterin) und Gustav Hermann Willy Matthes (Fabrikarbeiter) am 23. Februar 1910 in Berlin geboren. Am 09. April 1911 kam seine Schwester Frida Emma Elisabeth zur Welt. Beide wurden in Marienfelde getauft. Seine Eltern heiraten dort kirchlich. Frida verstarb  im Alter von 10 Monaten am 13. Februar 1912 morgens um dreiviertel Vier. Sie wurde kirchlich bestattet , vermutlich in Marienfelde. Am 21. Februar 1913 kam in Marienfelde sein Bruder Erich Albert Matthes zur Welt.

Sie wuchsen in einfachen Verhältnissen auf.

Biography created on 01/12/2022, last update on 01/17/2022

Laut Aussagen seiner Mutter war Willy ein ruhiges, verträumtes Kind. Er machte keine Probleme. Im Alter von zwei bis drei Jahren hatte er Anfälle von Pavor nocturnus (Nachtschreck) gehabt. Er besuchte bis zur 3. Klasse eine Gemeindeschule. Zweimal ist er wohl sitzen geblieben. Das Lernen fiel ihm schwer. Er war sehr fleißig gewesen und gerne zur Schule gegangen. Er liebte Tiere und wollte gerne Cowboy werden. Oft spielte er für sich alleine; er hatte wenige Freunde.

Sitzend Willy Matthes, mit einer Brieftaube auf der Hand zu sehen. Rechts, stehend von ihm, sein Bruder Erich Matthes (der Großvater der Autorin).

Nach der Schulzeit erlernte er den Beruf des Maschinenschlossers. Die Ausbildung dauerte dreieinhalb Jahre und er bestand die Prüfung. Während der Lehrzeit war sein Arbeitstempo langsam und verträumt gewesen. Nach der Lehre musste er aufgrund seines bedächtigen Arbeitstempos oft die Arbeitsstellen wechseln. Die Mutter gab beim Eingangsgespräch in der Heilanstalt Buch an, dass sie vier Kinder hat. Zwei sind schon klein verstorben, eines davon an Zahnkrämpfen. In der Patientenakte der Heilanstalt Buch war die Notiz zu lesen, dass er vielleicht ein Zwilling war. Willy Matthes war als junger Mann gesellig gewesen, zeigte aber Frauen gegenüber wenig Interesse. Seine Eltern waren mit ihm überfordert. Er zeigte Wesensveränderungen der Mutter gegenüber und war auch aggressiv geworden, deswegen wurde er am 03. Juni 1930 mit psychischen Problemen in die Charite eingewiesen.

Willy Matthes, ca. 1936. Privatbesitz Michaela Bogusch

Die Diagnose lautete: Hebephrenie (eine Unterform der Schizophrenie). Zu diesem Zeitpunkt war er 20 Jahre alt. Am 06. September 1930 wurde er mit der Diagnose Schizophrenie entlassen. Am 05. Juni 1931 wurde er dann in die Heilanstalt Buch eingewiesen. Bei der ärztlichen Befragung antwortete er, das er an Schwindel ,Kopf- und Magenschmerzen litt.             

In Buch blieb er 3345 Tage, bis zu seiner Verlegung am 22. April 1940 in die Tötungsanstalt Brandenburg an der Havel. Leider musste er sich in Buch  einigen Untersuchungen und medizinischen Versuchen  unterziehen. Seine Eltern unterstützten die Untersuchungen in der Hoffnung, dass sich der Gesundheitszustand ihres Sohnes dadurch verbessern würde. Sein Vater hatte die Pflegschaft am 21. November 1931 für ihn übernommen, weil er entmündigt worden war.

Am 23. Juli 1935 beschlossen Dr.med.Hallberg, Herr Austerhoff und Dr. Schwer Willy Matthes unfruchtbar machen zulassen. Dies geschah am 27. August 1935 im Städtischen Krankenhaus Reinickendorf in der Teichstraße 65. Er wurde von dort am 03. September 1935 entlassen und wieder zurück in die Heilanstalt Buch gebracht.

Vom 07. Juli 1939 bis zum 26. Juli 1939 wurde bei ihm eine Cardiazolkur durchgeführt. Seine Krampfanfälle wurden dadurch stärker; eine Besserung trat nicht ein.  Seine Mutter war die ganze Zeit bei den Untersuchungen an seiner Seite.

Nach diesen ganzen Prozessen wurde er in seinem Wesen immer gleichgültiger und nahm am Krankenhaus Alltag nicht mehr teil. Er aß nicht mehr und musste gefüttert werden. Depressionen waren die Folge; er wollte nicht mehr aufstehen und hatte keinen Antrieb mehr.  Am 26.07.1939 wurde er in Buch in das Haus 13 verlegt. Das war eine Sammelstelle für Kriminelle und psychisch Erkrankte zum Abtransport in die Tötungsanstalten. Von dort aus wurden die ersten Patienten in die Tötungsanstalt Brandenburg an der Havel gebracht.

Seine Eltern besuchten ihn regelmäßig in der Heilanstalt oder holten ihn zu Feiertagen, Geburtstagen und an den Wochenenden zu sich nach Hause, um mit ihrem Sohn Zeit verbringen zu können. Sie hatten einen Kleingarten in der Kurfürstenstraße in Mariendorf. Dort hatten sie verschiedene Tiere, unter anderem auch Brieftauben. Das war das Hobby der Familie!   

Seine Mutter hat am 23. März 1940 einen Brief an die Heilanstalt Buch geschrieben, um sich nach den Gesundheitszustand ihres Sohnes zu erkundigen.

Zitat aus dem Brief:

„Ich möchte hiermit anfragen wie es meinem Sohn, Willi Matthes, geb. 23.2.1910, Haus 7 gesundheitlich geht. Ich habe meinen Sohn 4 Wochen lang nicht gesehen und bin sehr beängstigt über  seinen Lebenszustand. Geben Sie mir bitte baldige Nachricht“                           Frau Anna Matthes, Königstrasse 11 Mariendorf 

Diese Antwort wurde ihr am 02. April 1940  gesendet: "Das seelische Befinden Ihres Sohnes ist unverändert, der körperliche Zustand ist gut.“                                                                                                                                                                                                                                     Dr. Röber

Das war die letzte Information von der Heilanstalt Berlin-Buch gewesen. Am 22. April1940 wurde er nach Brandenburg an der Havel gebracht und noch dort am selben Tag getötet. Er wurde 30 Jahre alt.

Sein Bruder Erich ist am 28. August 1944 in Rudniki (Polen) gefallen. Seine Mutter Anna ist am 27. Juni 1969 und sein Vater Willy, ebenfalls in Berlin, am 29. Mai 1960 verstorben.

Assoziationen

Assoziationen
As­so­zi­a­tive Beziehungen und Verknüpfungen

Alle Opfer der NS-"Euthanasie"-Verbrechen haben ihre Individualität. Manche wurden jedoch aus ähnlichen Motiven verfolgt, einige teilten zum Beispiel Gewaltererfahrungen in ihren zwischenmenschlichen Beziehungen. Andere wiederum wurden doppelt sigmatisiert: Weil sie als psychisch krank und behindert galten und als homosexuell und jüdisch definiert wurden.
Diesen Verknüpfungen versuchen wir mit "Assoziationen" nachzugehen. Sie ermöglichen es auch, geographische Beziehungen in unserer Datenbank zu recherchieren. Sie können also erforschen, wer am selben Ort oder Region lebte, wer in der selben Anstalt lebte und ermordet wurde.

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